Aktion scharf gegen Engerlinge

Aktion scharf gegen Engerlinge erst nach dem ersten Schnitt

Die viel zu warme Witterung und Dürrezeiten haben in den vergangenen Jahren die massenhafte Vermehrung vieler land- und forstwirtschaftlicher Schadinsekten begünstigt. Seit den 2000er Jahren nehmen wiesenschädigenden Engerlinge von Mai-, Juni- und Gartenlaubkäfern rasant und in den letzten Jahren in Mitteleuropa sogar exposionsartig zu. Bei Trockenheit könnten heuer die großen End-Larvenstadien der Engerlinge noch größere Schäden in Futterwiesen verursachen. Ob im laufenden Jahr wieder große Schäden entstehen, hängt auch davon ab, ob es die Engerlinge vom Maikäfer oder Junikäfer sind. Aber auch davon, ob die Grasnarbe genug Regenerationskraft durch Niederschläge und Nährstoffe hat.

Braune Flächen ohne jedes Grün, in Mieming in Tirol und in Valzeina in der Schweiz musste man bereits erfahren, was es bedeutet, wenn Engerlinge die Futterwiesen ganzer Dörfer zerstören. Unsere wiesenschädigenden Engerlinge von Gartenlaubkäfer, Junikäfer und Maikäfer haben individuelle Entwicklungszyklen von einem Jahr, zwei und 3 bis 4 Jahren. Die Schadens- und Hauptfraßjahre treten immer bei den letzten und größeren Larvenstadien auf. Große Schäden sind heuer dann wahrscheinlich, wenn im Vorjahr bereits Maikäferengerlinge aufgetreten sind, eine Bekämpfung im Herbst unterblieben ist und die Gräser wiederum unter Wassermangel leiden und sich nicht regenerieren können. Verursachten Engerlinge des Junikäfers 2018 die Schäden, so hat er heuer sein Flugjahr samt Eiablage. Es schlüpfen bald darauf sehr kleine Larven, die im ersten Jahr noch keine Gräserwurzel fressen, sondern Humus und die Graswurzeln erst im Folgejahr auffressen.

Von der Eiablage aller ausschwärmenden Engerlingskäfer sind vor allem sonnenhängige Wiesen mit schütteren, lückigen Grünlandnarben, Vielschnittwiesen mit kurzer Schnitt- bzw. Weidehöhe (Schaf- und Kurzrasenweiden) und oft auch kurz gehaltene Rasen wie Sportplatzrasen betroffen. Durch die riesigen Massen an Engerlingen erfolgt die Eiablage inzwischen notgedrungen an allen möglichen Plätzen. Sogar auf aufgeheizten Dächern lassen sich die Käfer für die Eiablage fallen, wo sie in die Dachrinnen abrutschen und kübelweise aufzufangen sind, wurde mir von Mühlviertler Bauern berichtet. Die Eiablage erfolgt im Mai und Juni, abends beim Maikäfer, vormittags über Wiesen schwirrend beim Junikäfer. Auf Flächen ohne Vegetation legen die Käfer keine Eier ab.

Junikäfer mit typischem Merzedesstern am Laibende

Was die Bekämpfung mit biologischen Präparaten betrifft, so sei auf den Fachbeitrag in dieser Zeitung, Ausgabe 12 vom 21. März 2019 verwiesen. Folgende Präparate stehen im Rahmen einer Notfallzulassung zur Anwendung zur Verfügung (Anwendungszeiten und Zulassungsinhaber siehe Pflanzenschutzmittelregister im Internet):

■       Melocont-Pilzgerste gegen Maikäfer-Engerlinge und

■       GranMet P-Pilzgranulat gegen Junikäfer-Engerlinge.

■       Ab dieser Saison das auch für Bio zugelassene Pilzsporenmittel Artis Pro erhältlich, das mittels Feldspritze unterstützend zu anderen Maßnahmen ausgebracht werden kann. Sowohl die zuverlässliche Effizienz als auch die landtechnische Ausbringung mit schwerem Gerät auf Hängen werfen dabei offene Fragen auf.

Neuansaat nur bei weniger als 50 Engerlingen/m2

Mit Maßnahmen wie Neueinsaat oder Nachsaat sollte zugewartet werden bis die meisten Engerlinge in die obere Bodenschicht gewandert sind. Je nach Lage und Erwärmung der Böden kann dies bereits ab Anfang bis Mitte März der Fall sein oder auch erst ab Ende Mai. Mit einer Spatenprobe lässt sich der Befallsdruck schätzen. Werden pro Quadratmeter mehr als 50 Engerlinge gefunden, so ist auch eine Neuansaat von Ausfällen bedroht. In diesem Fall gilt es, zuerst die Engerlinge mit mechanischen Maßnahmen bis auf die Schadschwelle zu dezimieren und mit der Ansaat zuzuwarten. Wenn der Wiesenbestand ohnedies zerstört und unerntbar ist, können die Maßnahmen auch früher gesetzt werden.

Als wirksamste mechanische Maßnahmen haben sich Arbeitsgänge mit Kreiselegge oder Kreiselgrubber bewährt. Weiters in Frage kommen auch Zinkenrotor, Rotoregge und Fräse. Es sollten zwei Arbeitsgänge erfolgen und zwar zunächst auf vier bis fünf Zentimeter Bodentiefe und im Abstand von einigen Tagen auf zehn Zentimeter Tiefe und möglichst bei starkem Sonnenschein, weil das UV-Licht mithilft, sie unschädlich zu machen. Die mechanische Bearbeitung wirkt gleichzeitig auch gegen unerwünschte Unkräuter, die kein hochwertiges Futter liefern. Werden größere Flächen ohne Vegetation in der Fraßzeit offengehalten, verhungern die Engerlinge mangels Pflanzenwurzeln. Durch Kannibalisierung dezimieren sie sich selbst; die großen fressen die kleineren. Die Neuansaat von Dauerwiesen sollte nur nach erfolgreicher Dezimierung der Engerlinge erfolgen.

Aufgrund zunehmender Dürrezeiten durch den Klimawandel sind bei der Wahl des Saatgutes verstärkt trockenheitsverträgliche Gräser einzuplanen. Dazu zählen insbesonders Knaulgras, Rotschwingel, Glatthafer, Weichblättriger Rohrschwingel und Kleearten wie z. B. Hornklee und Mattenklee (ausdauernder Rotklee). Hinweise zur Zusammensetzung geeigneter Gräsermischungen für Nachsaat und Neueinsaat geben wir in einer der nächsten Ausgaben der BauernZeitung. Um den Engerlingsbefall nicht durch Nährstoffmangel bedingte schwache Futterbestände zu begünstigen, sollte auch die Nährstoffversorgung mittels Bodenproben bedarfsgerecht abgestimmt werden. Die zentrale Schlüsselrolle spielt in jeder Hinsicht der Aufbau dichter Futterbestände mit Zuchtsorten. Nicht auf Wildpflanzen, sondern auf Zuchtpflanzen wie Zuchtvieh und Pflanzenschutz basiert der Erfolg einer florierenden Landwirtschaft, zeigt die Geschichte.


Nachsatz – Aufforderung an die praktischen Wissenschaften selbst tätig zu werden

Die dargestellte Explosion von Engerlingen und land- und forstwirtschaftlichen Schadinsekten (● Borkenkäfer, ● Maiswurzelbohrer, ● Getreidehähnchen, ● Kartoffelkäfer, ● Schnellkäfer (Drahtwurm), ● Laufkäfer, ● Rüsselkäfer, ● Wespen, ● Heuschrecken, ● Asiatischer Marienkäfer, ● Prozessionsspinner, ● Gefährdung des Weinbaues durch Zikaden mit Phytoplasmen-Übertragung (es gibt ein sogar ein AGES Sprachverbot darüber) – inklusive ● Wühlmausschäden, zunehmender riesiger ● Maulwurfshaufen und Wühlschäden durch ● Schwarzwild in Wiesen), stellt im krassen Gegensatz zum medial viel zitierten Insektensterben. Da sich bereits drei Käferarten mit riesigen Engerlingsschäden im Grünland ausbreiten, wäre die Wissenschaft längst aufgefordert, selbst die Ursachen der explosionsartigen Ausbreitung erforschen. Ebenso ergänzend effiziente Methoden zur Schädlingseindämmung zu entwickeln.

Seit Jahren gibt es nur Ankündigungen und Papier, aber keine konkrete Engerlings-Forschung durch das LFZ Gumpenstein:

„Zehntausende Hektar Grünlandflächen sind durch Trockenheit und Engerlinge geschädigt.“

In: BUCHGRABER PÖTSCH KRAUTZER: Wie können Trocken- und Engerlingsschäden am Grünland regeneriert werden? ÖAG-INFO 4/2004

„Rund 5000 ha Grünland werden jährlich durch Engerlinge, zirka 300.000 ha durch Feldmäuse, Wühlmäuse und Maulwürfe geschädigt und nicht selten völlig zerstört.“

In: PÖTSCH STRASSER BERGER: Tierische Schädlinge am Grünland, Der fortschrittliche Landwirt: 6/1997

Kostenverlustrechnung durch Schädlinge am Grünland in Österreich

1 ha bei schlechter Wiese = ca 5 t TM Verlust

5t mit 33% TM  = 15 t Ballensilage

1 t Silage ca 30 €

15×30 = 450 € Futterentgang/Jahr

30 kg Saatgut/ha a 10€mit Saat = 300 €

Also Saatgut+ Futterentgang: 750€/ha

LK OÖ https://ooe.lko.at/kosten-der-engerlingbek%C3%A4mpfung+2500+2794758

1 ha Mech.Bekämpfung Engerling, Aussaat und Saatgut: ca 500 €/ha

1 ha Pilzgerste Aussaat und Saatgut: ca 1100 €/ha

bei 1:1  800€/ha

Gesamt-Rechnung bei schlechter Wiese

Futterverlust: 450-500€

Mechan. Bekämpfung 500€

1000 €/ha x 5.000 ha/Jahr = 5 Mill€/J

1000 €/ha x 300.000 ha/Jahr = 300 Mill€/J

Kosten bei Zukauf als Heu wegen Futterverlust durch Engerlinge & Co

5 t/ha x 0,25€/kg Heu =1250 €/ha bei schlechter eigener Futterwiese

8t/ha = 2000 €/ha  bei guter Futterwiese

Gesamt-Rechnung bei guter Wiese und Heuzukauf wegen Futterverlust durch Engerlinge & Co

Futterverlust: 2000 €

+ Mechan. Bekämpfung 500€/ha

2500 €/ha x 5.000 ha/Jahr = 12,5 Mill €/J

2500 €/ha x 300.000 ha/Jahr = 750 000 000 €/J = 750 Mill €/J

Die Berechnungen zeigen, dass in Österreich den Grünlandbauern durch Schädlinge enorm viel Geld verlorengeht, je nach Ertragsintensität und Schädlingsausmaß:

JÄHRLICHE SCHÄDEN also:  5 Mill bis 750 Millionen € !

also bis zur Hälfte aller österr. EU-Agrargelder

Eine Million Forschungsgeld sollte das also Österreich durchaus wert sein!
J HUMER

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