Ampferbekämpfung – die jährliche Routine für hochwertiges Wiesenfutter

Der Stumpfblättrige Ampfer ist in vielen mittel bis gut gedüngten Futterwiesen das lästigste Unkraut. Dabei ist er mit sieben sehr gut wirksamen Herbiziden leicht bekämpfbar. Da er seine Keimfähigkeit bei der Verdauung und in Wirtschaftsdüngern nicht nennenswert verliert, gelangt er vor allem bei der Gülledüngung immer wieder auf die Futterwiesen. Es ist daher schon beim ersten Aufwuchs wichtig, dass keine Ampferpflanzen aussamen. Es stellt sich daher die Frage mit welchen Mitteln die Frühjahrsbekämpfung am besten erfolgen kann.

Vorbeugende Möglichkeiten 

Futterbestände sollte man immer beobachten, damit sich lästiges Unkraut nicht unkontrolliert ausbreitet. Dabei ist die nachhaltigste Ampferbekämpfung die Förderung leistungsstarker und gut wüchsiger Futtergräser mit der empfohlenen Nährstoffversorgung gemäß Richtlinie für sachgerechte Düngung.

Wiederholter Schnitt, händisches ausziehen, ausstechen und ausgraben
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Abb. 1: Händisches Ausgraben mit Ampfersammlung ist in der Praxis bei größeren Flächen unzumutbar., Ertl, Herbst 2001, Foto: Humer

Mehr Bilder dazu:

 

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Der Schnitt vor der Ampferblüte wirkt immer gegen das Aussamen neuer Ampfer und bremst die Entwicklung neuer Ampferpflanzen. Der mehrfach punktuell wiederholte Schnitt unterdrückt vor allem großer Ampferstöcke und ihre Samenausbreitung. Das gelegentliche bloß händische Ausziehen oder Ausmähen des Ampfers ist selten zufriedenstellend. Beim Ausziehen reißt die Wurzel tief verwurzelter Pflanzen leicht ab und treibt weiter. Das gilt auch für zu seichtes Ausgraben (Abb. 1). Das händische Ausziehen ist bei neu eingesäten Flächen und bei feuchteren Bodenverhältnissen sinnvoll. Die Methode des Ausstechens mit dem Ampfereisen ist bei geringem Besatz zur Verhinderung der Ausbreitung sinnvoll. Bei einem großen Flächenbesatz stößt man rasch an die Grenzen im Arbeitsaufwand.

Punktbehandlung mit Wuchsstoffmitteln im Frühjahr sinnvoll 

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Spritzschirm. Quelle: ÖAG

Die Punktbehandlung im Frühjahr ist die wichtigste und sinnvolle Maßnahme den Ampfer in Schach zu halten. Sie bewährt sich, wenn der Ampfer erst vereinzelt und noch nicht in Massen auftritt und die Blätter sich soeben breit entfaltet haben und der Stängel noch nicht durchgeschossen ist. Bei konsequenter jährlicher Anwendung ist mit der Punktbehandlung der Arbeitsaufwand gut beherrschbar. Selektive wirksame Wuchsstoffmittel mit schnell sichtbarer Wirkung sind beispielsweise Rumexan, Banvel M oder Simplex. Die Herstellerangaben zur Anwendung sind wie bei allen Herbiziden Cross Compliance konform zu beachten. Der Vorteil der Wuchsstoffmittel ist, dass sie schon nach wenigen Stunden ihre welkende Wirkung zeigen. So können bei Vormittagsanwendung übersehene Pflanzen noch am gleichen Tag nachbehandelt werden. Es werden auch Farbstoffe zur Markierung behandelter Pflanzen angeboten. Die Punktbehandlung ist prinzipiell vom Frühjahr bis zum Herbst möglich. Alle Ampfermittel auß
er Dicopur-Mittel haben gemäß Abb. 3 eine sehr gute Wirksamkeit. Vorteilhaft ist ein Spritzschirm (Abb. 2) der den Restbestand schont und die Lückenbildung verringert.

Bei Totalherbiziden ist zu bedenken, dass beim Besprühen oder Abstreifen auch getroffene wertvolle Gräser zugrunde gehen. Totalherbizide verursachen zudem an der Ampferstelle viel mehr offenen Boden als selektive Herbizide. Ausgefallene Ampfersamen oder andere Unkräuter haben gerade dann wieder gute Chancen neu anzuwachsen, wenn diese kahle Stelle nach einem Monat später nicht gefunden und eingesät werden.

Die chemische Ampferbekämpfung im Frühjahr ist in den meisten Fällen nur als Punktbehandlung passend. Eine Flächenbekämpfung im Frühjahr schädigt auch viele andere Wiesenkräuter und Unkräuter. Dabei verliert man unnötig Ertrag. Die Flächenbekämpfung kommt nur für Spezialisten mit viel Erfahrung in Frage. Auch das Abstreifverfahren erfordert außerordentliche Spezialerfahrungen im Frühjahr damit keine Schäden am Futterbestand auftreten. Die optimale Zeit für die Flächenbekämpfung ist dagegen der Herbst.
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Abb. 3: Wirksamkeits-Tabelle der seit 2012 zulässigen Ampferherbizide, ihre Wirkstoffe und Kleeverträglichkeit. Quelle: RWA

ampferherbizide-rwa-2016-poetsch RWA 2014

 

3 bis 5 Jahre Wirksamkeit bei der Ampferbekämpfung 
Eine chemische Ampferbekämpfung mit den sehr gut wirksamen Mitteln gemäß folgender Tabelle ist jedenfalls im Anwendungsjahr voll wirksam. In der Regel hält die ampferunterdrückende Wirkung etwa 3 bis 5 Jahre an. Danach siedeln sicher wieder neu aufkommende junge Ampfersämlinge aus dem meist riesigen Samenvorrat des Bodens an. Sehr empfehlenswert ist immer auch ein Preisvergleich der Mittel, da die Behandlungskosten mit den hier angeführten Herbiziden etwa zwischen 20 und 200 EURO je Hektar liegen.

Liste der selektiven Ampferherbizide mit höchster Wirksamkeit
Harmony SX Banvel M
Hoestar Starane Ranger
Genoxone ZX Rumexan
Simplex

Infrarot-Gastechnik

Bei der Infrarot-Gastechnik wird mit Hilfe von Butan/Propangas Strahlungshitze erzeugt, welche zur Versengung der Pflanze führt. Ein Drahtgewebe erhitzt einen spitzen Metalldorn auf rund 600 °C, der dann in das Ampferherz gestochen wird und dort einige Sekunden verbleibt. Dabei wird der Wurzelkörper erhitzt und das Ampferherz sowie die gesamte Blattrosette durch die, über das Drahtgewebe abgegebene Strahlungshitze wird versengt. Nach Versuchs- wie eigenen Praxiserfahrungen ist dieses Verfahren vergleichsweise sehr zeitaufwändig (Abb. 3,4,5) und zudem wenig effizient und relativ teuer. In Biobetrieben, wo keine chemische Ampferbekämpfung möglich ist, kann diese Technik dennoch eine Bedeutung haben.

Abb. 3a Infraweeder Thermodorm aus der Schweiz
Abb. 3a Infraweeder Thermodorm aus der Schweiz

Bild gelöscht vom Hersteller

Hersteller Infos:
http://www.infraweeder.ch/

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Abbildung 3b: Infrarot-Gastechnik Thermodorn Foto: ÖAG

Ampferbekämpfung im Biobetrieb

Biobetriebe können die Methoden: Wiederholter Schnitt, händisches ausziehen, ausstechen und ausgraben und die Infrarot-Gastechnik anwenden. Wenigstens kann damit die weitere Ampferausbreitung verhindert werden. Gute Aussichten zur Ampferbekämpfung hat folgende praxiserprobte Methode, wobei allerdings eine konsequente fünfjährige Anwendung notwendig ist. Sie entstand aus den Erkenntnissen einer biologisch wirtschaftenden Bäuerin aus der Buckligen Welt. Sie berichtete und zeigte mir bei Exkursionen, wie sie das Ampferproblem angegangen hat. Zuerst hat sie durch ausgraben der großen Stöcke und später durch wiederholten Rasierschnitt mittels Sensenmahd der Ampfernester Licht und offenen Boden geschaffen. Diese Stellen hat sie sofort mittels händischer Einsaat einer raschwüchsigen Kleegrasmischung besämt. Sie konnte so bei geduldiger Wiederholung dieser Methode in etwa fünf Jahren dem Ampfer Herr werden. Das Geheimnis des Erfolges war die konsequente Schaffung offenen Bodens mit sofortig anschließender Saat raschwüchsiger
Futtergräser. Damit wird dem anfänglich noch nachwachsenden Ampfer durch Lichtmangel immer mehr die Lebenskraft genommen. Statt der mühevollen Sensenmahd könnte man dazu die im Forst verwendeten Freischneider einsetzen. Wichtig dabei ist, dass der Boden trocken ist damit es nicht zu Verschmierung der Erde durch die rotierende Schnur kommt. Die rasche Bodenbedeckung abgemähter Ampfernester mit schnellwüchsigen Gräsern wie Bastardraygras ist ein wichtiger Teil des Bekämpfungserfolges. Zum dauerhaften Bewuchs sind aber auch mittel- und längerausdauernde Futtergräser wichtig. Dazu kann man Feldfuttermischungen verwenden oder die vom Autor eigens entwickelte „Ampfer-Nachsaatmischung“.

Zeitaufwand und Wirkungsvergleich von mechanisch-chemisch-thermisch Ampferbekämpfungsverfahren

Aus einem von Pötsch in Gumpenstein untersuchten Vergleich des Arbeitszeitaufwandes (Abb. 4) der Bekämpfungsverfahren geht hervor, dass von den praktikablen Verfahren die Punktbekämpfung mit Selektivherbiziden den geringsten Zeitaufwand erfordert. Noch akzeptabel waren die Methoden manuelles Ampferstechen und die Totalherbizid Punktbekämpfung mit Roundup. Zu ähnlichen Ergebnissen kommt man in Vergleichen in Bayern (Abb. 5).
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Arbeitszeitaufwand bei der AmpferbekämpfungQuelle: PÖTSCH, E.M. (2000): Möglichkeiten der mechanisch biologischen Ampferbekämpfung. Biospezialseminar Ampfer ein Problemunkraut, BAL Gumpenstein

Quelle: Pötsch, 2000 Sekunden jeAmpferpflanze
Infrarot – Gastechnik – Thermodorn 49,9
Ampferstecher – manuell 22,7
Totalherbizid Punktbekämpfung – Roundup 11,3
Selektivherbizid Punktbekämpfung – Hoestar 7,2
Selektivherbizid Punktbekämpfung – Asulox 6,8
Selektivherbizid Punktbekämpfung – Harmony 6,6
Ampferstecher – maschinell 5,5

Abbildung 4: Arbeitszeitaufwandstabelle bei der Ampferbekämpfung

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Abbildung 5: Wirkungsvergleich in % der Ampferbekämpfungswirkung von mechanischen, chemischen und thermisch verfahren, von 3 Versuchen in Bayern, LFL, 2003

Nach der Ampferbekämpfung: Rasche Bodenbedeckung mit der Ampfer-Nachsaatmischung nach HUMER
Zur raschen punktuellen Begrünung gemähter Ampfernester für 3- bis 4-Schnittwiesen

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Ampfer-Nachsaatmischung
Bastardraygras 1 kg
Engl.Raygras 4 kg
Knaulgras 4 kg
Goldhafer 1 kg
Summe für 10 kg
Abb. 6: Ampfer-Nachsaatmischung nach Humer

Die wichtigste Pflegemaßnahme, wenn nach einem Herbizideinsatz eine Lücke mit offenem Boden entsteht ist, dass rasch wüchsige Gräser den Boden wieder bedecken. Nur so kann den immer wieder neu keimenden Ampfersamen möglichst viel Licht weggenommen werden. Ohne Einsaat breitet sich der Ampfer in lichten Lücken oder andere Unkräuter besonders leicht aus. Nur Saaten mit schnell keimenden Gräsern können nachwachsenden Ampfer am ehesten das Licht wegnehmen. Als raschwüchsige Gräser gelten alle Raygräser. Allerdings haben sie nur eine etwa zwei- bis dreijährige Ausdauer. Daher sind auch langjährig ausdauernde und kampfkräftige Gräser zur Ablöse notwendig. Dafür kommen nach vieljährigen eigenen Erfahrungen Knaulgras und Goldhafer für drei- bis vierschnittige Wiesen als die zuverlässigsten Arten in Frage. Die „Ampfer-Nachsaatmischung“ besteht aus je einem Kilogramm Bastardraygras und Goldhafer und je vier Kilogramm Englischem Raygras und Knaulgras. Die ampferunterdrückende Wirkung dieser Mischung ist aber nur zur punktuellen Besämung der Stellen mit abgestorbenen Ampferpflanzen bzw. abgemähter oder ausgestochener Ampfernester einzusetzen. Bastardraygras kann bei ganzflächiger Saat in Dauerwiesen problematisch leicht über Hand nehmen, insbesonders in wärmeren Lagen. In rauen Wintern kann Bastardraygras leicht auswintern, was bei flächendeckender Saat problematisch ist. Knaulgras und Goldhafer gemäß Abb. 6 als ausdauernde Komponenten entwickeln sich in den Folgejahren zum dauerhaften Gräserbestand mit besten Ertrags- und Qualitätseigenschaften. Alle Saatgutmischungen, die dagegen besonders langsam entwickelnde Arten enthalten wie Wiesenrispe, Timothe oder Schwingelarten eignen sich nicht, weil sie die Lücken nicht rasch schließen und später auch nicht konkurrenzstark sind. Die obige Ampfer-Nachsaatmischung ist durch eigene Mischung der Einzelkomponenten herzustellen. Im Handel sind die Einzelkomponenten auf Bestellung verfügbar. Behelfsmäßig könnte auch eine raygrasreiche Kleegrasmischung verwendet werden, da sie teils ähnliche Eigenschaften hat. Für ertragreiche, unkrautarme Futterwiesen gelten zudem die wichtigen Prinzipien der Vermeidung von Narben- und Trittschäden, eine sachgerechte Nährstoffversorgung wie periodische Einsaaten mit nur durchsetzungsfähigen Gräsern um beste Futtererträge zu erreichen. Abbildung 7 verdeutlicht das eindrucksvoll.
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Abbildung 7:
Ampfer mittels natürlicher Prinzipien mit reichlich breiten und langen Blätter wertvoller Futtergräser wie hier mit Knaulgras unterdrücken

Fazit

Die Punktbekämpfung des Ampfers mit selektiven Herbiziden ist im Frühjahr in den meisten Fällen die richtige Wahl. In bestimmten Fällen haben auch mechanische Bekämpfung, thermische Verfahren oder die Flächenbehandlung ihre Berechtigung. Entsprechend der Verpflichtungen nach Cross-Compliance gilt beim Pflanzenschutzmitteleinsatz die sachgerechte Bedachtnahme der Herstellerangaben. Zur dauerhaften Verbesserung von Futterertrag und Qualität ist eine Einsaat von bester Kulturgräser die wichtigste Folgemaßnahme um wieder beste Futterqualitäten zu erreichen. Zur dauerhaften Begrünung punktueller Lücken nach der Ampferbekämpfung wird eine spezielle Ampfernachsaatmischung vom Autor mit raschwüchsigen und ausdauernden Kulturgräsern vorgeschlagen, die auch zur Ampferzurückdrängung in Biobetrieben geeignet erscheint.

 

alteurl: http://futterwiesenexpertehumer.wikispaces.com/Die+besten+Ampferbek%C3%A4mpfungsmethoden++im+Fr%C3%BChjahr

 

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