Ersten Junikäfer in Wien gesichtet am 27.April 2019

Bei einer Wanderung am 27 April 2019 zu den Wienerwaldwiesen habe ich
im westlichen Wien bei den Steinhofgründen auf einer Straße bei der Reha 2019 bereits den ersten Junikäfer bzw Brachkäfer, einen Engerlingskäfer gesichtet und fotografisch dokumentiert. Demnach hat er jetzt durch die lange trockene Witterung weit früher als sonst seine Flugzeit, die normalerweise im Juni ist, wie sein Name sagt.

Er kroch auf der Straße ganz langsam und war ziemlich steif und langsam und versuchte auf der Hand sofort in die Spalte zwischen zwei Fingern hinein zu kriechen, offensichtlich war er auf dem Weg zur Eiablage.

Wie in deutschen Medien bereits zu lesen ist, drängen die sogenannten Maikäfer incl Junikäfer auch schon in die städtischen Räume in Deutschland vor, so wie jetzt in Wien .

Die Bewohner fühlen sich dabei auf ihren Balkonen gestört. Insbesonders von den knackenden und raschelnde Geräuschen, die die Käfer beim Zusammenstoß mit den Dachrinnen verursachen, wird häufig berichtet.

Wenn die Junikäfer ihre Eiablage normalerweise im Juni machen, dann entwickeln sich im im selben Jahr noch keine schädlichen Engerlinge, die die Grasnarbe von Wiesen, Rasen oder Sportplätzen zerstören. Im Anfangsstadium der noch kleinen Junikäfer Engerlinge fressen diese nur kleine organische Partikel oder Humus und sind dabei noch keine Grünland Schädlinge.

Wenn die Eiablage beim Junikäfer aber so früh wie heuer 2019 erfolgt werden ihre Engerlinge sicher noch größer und fressen damit möglicherweise auch bereits Graswurzeln ab, wodurch mit zunehmend wärmerer Witterung nach den Klimaprognosen noch in diesem Jahr die Grasnarbe absterben kann. Das Absterben der Grasnarbe erfolgt immer dann , wenn in so einem Jahr auch starke Trockenheit herrscht und sich die Graswurzeln mangels Regen nicht genug nachwachsen .

Natürlich macht ein Junikäfer, ein Engerling, eine Schwalbe noch keinen Sommer. Möglicherweise sind die Junikäfer in der Stadt aber auch neue Vorboten des
weiteren Temperaturanstiegen infolge des Klimawandels. Steigende Temperaturen begünstigen ja die Zunahme vieler Insekten samt Schadinsekten.

Das sogenannte Insektensterben wie es nun in fast allen Medien verbreitet wird, steht im extremen Widerspruch zur Erfahrung einer massiven Ausbreitung von Schadinsekten auf landwirtschaftlichen Kulturen.

In Österreich gibt es seit 2000 vielmehr eine markante Zunahme der Engerlingsschäden von Maikäfer, Junikäfer oder Gartenlaubkäfer zu beobachten. Siehe meine Engerlingbeboachenungen hier unten als PPT Folie.

Buchgraber und Pötsch vom Agrarministerium finanzierten Forschungsinstitut LFZ Gumpenstein
– und sogar als Universitätsdozenten Lehrende an den BOKU –
schreiben seit 1997 in ihren Fachartikeln für Agrarmedien , dass jährlich auf tausenden Hektar Grünland Engerlinge und andere Wildschäden die Futter- und Einkommensgrundlage in der Grünlandwirtschaft zerstören. Seit Jahren gibt es vom LFZ Gumpenstein nur Ankündigungen und Papier, aber keine konkrete Engerlings-Forschung wie diese:

„Zehntausende Hektar Grünlandflächen sind durch Trockenheit und Engerlinge geschädigt.“

In: BUCHGRABER PÖTSCH KRAUTZER: Wie können Trocken- und Engerlingsschäden am Grünland regeneriert werden? ÖAG-INFO 4/2004

„Rund 5000 ha Grünland werden jährlich durch Engerlinge, zirka 300.000 ha durch Feldmäuse, Wühlmäuse und Maulwürfe geschädigt und nicht selten völlig zerstört.“

In: PÖTSCH STRASSER BERGER: Tierische Schädlinge am Grünland, Der fortschrittliche Landwirt: 6/1997

BUCHGRABER, K.: Engerlinge schädigen unsere Wiesen. Fortschr. Landwirt 72 (9),
5-7, 1994.war kennen aber

Nach meinen Informationen haben sie – mir unverständlicherweise – bislang aber dazu kein Forschungsprojekt erfolgreich eingereicht, was man angesichts der enormen Schäden als logisch und selbstverständlich vermuten sollte. Man muss sich fragen, warum hier von Agrarministerium und der BOKU bezahlte Wissenschaftler mit Lehrauftrag so rückständig sind, und in der seit Jahren jährlich zunehmenden – sogar als Landplage bezeichneten – Engerlingproblematik, sehr wohl kennen. Aber forschungsmäßig verschlafen sie das Thema. Oder dürfen sie nicht tun wollen/dürfen/mögen? Dabei hat die LK OÖ sogar schon eine Art Engerlingsnotstand im Land aufgerufen.

Eigene Berechnungen zeigen, dass in Österreich den Grünlandbauern durch Schädlinge enorm viel Geld verlorengeht, je nach Ertragsintensität und Schädlingsausmaß un zwar JÄHRLICH:  5 Mill bis 750 Millionen € ! Siehe Beitrag: Aktion scharf gegen Engerlinge, HUMER 2019.

Also das sind fast die Hälfte aller österr. EU-Agrargelder. Eine Million Forschungsgeld sollte Österreich also bei dieser enormen Umwegrentabilität durchaus wert sein!

Es ist auch mir unverständlich das öffentliche finanzierte Forschungsinsitutionen wie das LFZ und Universitäten dieses brennende Thema – noch dazu mit aktuellem Insektenbezug – nicht als brennaktuellen Forschungsgegenstand für Projektanträge wahrnehmen oder interessiert. Sind sind österr. Agrarwissenschaftler so betriebsblind, dass sie nicht wissen mit welchen Probleme so viele Grünlandbauern mitsamt der zunehmenden Trockenheit kämpfen müssen? Wer hindert sie wirklich gute Forschungsanträge für das jahrzehntelang zunehmende Engerlingsproblem zu schreiben?3

Auch die Landwirtschaftskammer und manche Landwirtschafts-Schule sind irgendwie naiv bei der Suche nach Lösungen, wenn Engerlinge den Bauern das Futter wegfressen. Statt mit Wissenschaftler und Universitäten zu kooperieren, um evidenzbasiserte Lösungen zu finden, trödeln sie mit meist ohne Forschungsdesign und fachwissenschaftlicher Versuchsauswertung und Berichtlegung samt fehlender Umsetzung als Praxisandbuch und praxistauglichem Nachschlagwerk mit diversen höchst fraglichen und suspekten Methoden und Mittelchen wie Bodenhilfsstoffen herum. Die Beratung wird in OÖ sogar bereits an Maschinenringe abgetreten und auf traktorfahrende Bauern ausgelagert, die möglichst flott ihren Auftrag abarbeiten wollen, um dazu zuverdienen und bald wieder zuhause am Hof die Arbeit zu verrichten. Das Land NÖ gibt jetzt 30.000 € für die Aussaat von Pilzgerste auf 30 ha im Ybbstal aus. Ob man von den LK-Versuchen mit öffentlichem Geld auch wissenschaftlich verwertbare und öffentlich nutzbare Informationsbericht bekommt ist offen.

Mögliche Synergieffekte von Uni und Landwirtschaftskammer wie in den USA, wären möglicherweise sehr groß, und kommen bei uns aber wegen Arbeitsüberlastung auf beiden Seiten nicht zustande. Konkrete Anstösse und Aufträge werden von den Chefs vermieden, um Mehrkosten sich zu ersparen. Nur wenn Feuer am Dach ist, wie bei Wolf und Kuh wird unter politischem Druck gehandelt. Wenn Engerlinge zehntausende Hektar Wiesen fressen, 120 Tausend Tonnen Kartoffel durch mangelnden Schutz der Pflanze zum Abfall werden oder tausende Hektar jung gesäte Rüben vom Rüsselkäfer heuer wiederum niedergefressen werden, scheint das dem Agrarministerium, als auch Bildungseinrichtungen mit Universitätsprofessoren und Volkswirtschaftler egal zu sein, weil schon alle einen vollen Bauch haben und mit ihrem Wohlstand zufrieden sind.

Eigentlich weiss die Öffentlickheit gar nicht, welche Versuche in der Landwirtschaft und mit welcher Wissenschaftlichkeitstiefe sie erfolgen und wo die Ergebnisse landen, wer und wo sie veröffentlicht werden , ob sie überhaupt öffentlich werden und wie viele Bauern davon echt profitieren und die Ergebnisse nutzen. Warum gibt die Öffentlichkeit Geld aus, wenn das erworben Wissen nicht gesammelt und dafür auch öffentlich nutzbar gemacht wird. Landwirtschaft ist ja keine Geheimwissenschaft mit zu schützenden Betriebsgeheimnissen, die nicht nur wenigen, sondern allen Interessierten doch zu gute kommen sollten. Gerade im Zeitalter des Internets und wenn schon Millionen € auch für schnellere Netze investiert werden sollen, wie die Minister HOFER & KÖSTINGER versprachen.

Oft erfährt ja nicht einmal die LK im nächsten Bundesland von den Erfahrungen und Ergebnissen von Versuchen, wie es in meiner LK Zeit war. Es erfolgt auch keine Abstimmung untereinander. Auch eine fachwissenschaftleiche Kooperation mit der BOKU gelang nicht einmal in meiner LK Zeit irgendwie gemeinsame Projekte und Kooperationen voranzutreiben, obwohl sich die Chefs dazu zwar dazu bekannten aber nichts unternahmen.

Ich selber habe dieses Thema der Engerlingsschäden an der Universität für Bodenkultur am Institut für Zoologie bei einem Vortrag ventiliert und wurde dabei gleich von  Assoc. Prof. Dr. Zaller dankenswerter Weise eingeladen im Dezember 2019 einen Vortrag über die Engerling Problematik in grünlandwirtschaftlicher Sicht zu halten.


J HUMER, Futterwiesenexperte
am 27 März 2019 teils mit dem Handy auf die Webseite diktiert.

Fotos unter: https://photos.app.goo.gl/1wVffsiY55UvgSCj8

Hier werden alle Konsequenzen und bisherigen Fakten zur Problematik der sich ausweitenden Engerlingsschäden anlässlich des ersten Junikäferauftretens in Wien 2019 beschrieben.
Der dicke Bauch ist sicher voller mit Eiern, die bald zu kleinen Engerlingen werden.

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