Warum das Kreuzkrautproblem kein Zufall ist
Werner P., hier im Webinar des ÖKL am 23. März 2026 als letzter Referent, ist kein Theoretiker am grünen Tisch, sondern ein von Kreuzkraut selbst schwer betroffener Grünlandbauer aus dem Gebiet des Wilden Kaisers in Tirol. Er hat über Jahre durch den Besuch von Uni-Neophyten-Seminaren versucht, Hilfe, Aufmerksamkeit und Bewegung in dieses Thema zu bringen. Scheinbar hält man das verzwickte Problem in den zuständigen Kammern öffentlich offenbar lieber klein, weil es das schöne Bild der intakten Wiesen, des gepflegten Berggebietes in der Agrarwelt des Heiligen Landes Tirol stört. Inzwischen ist aber nicht mehr zu übersehen, dass in Tirol mehrere giftige Kreuzkräuter-Arten massiv auftreten: auf Wiesen, an Äckern, auf Almen und entlang von Straßen. Nach meinem Wissen ist Tirol damit längst nicht allein. Auch Vorarlberg, Kärnten, die Steiermark, Oberösterreich und Niederösterreich sind von landwirtschaftlich hoch problematischen Kreuzkräuter-Arten betroffen. Aber solange die Tiere ausreichend anderes Futter als Kreuzkraut in der Ration haben, fällt dieses Problem nicht wirklich auf. Aber in Tirol sind es bereits 3 Kreuzkrautarten, die Probleme machen. Daher ist es richtig, dass man sich mit dem Problem nun dank ÖKL-Schulungen gründlicher auseinandersetzen will.
Das übersehene Giftpflanzen-Problem in Futterwiesen
Man muss heute in manchen Grünlandgebieten nur mehr mit offenen Augen hinausgehen, und die Wiese erzählt einem längst selbst, dass etwas nicht mehr stimmt. Es ist nicht mehr nur das satte Grün, nicht mehr nur das Bild von Gras, Futter und bäuerlicher Sorgfalt, das einem entgegentritt. Zwischen den Beständen stehen plötzlich vereinzelte oder massenhaft leuchtend-glänzend gelb blühende Pflanzen, die dort in dieser Massivität noch nie gesehen wurden. Denn sie gehören nicht in gute Futterwiesen: giftige Kreuzkräuter. Was früher nicht einmal auffiel, zeigt sich heute vielerorts wie ein Warnsignal, das man zu lange übersehen, verdrängt oder unterschätzt hat. Es ist eben kein Löwenzahn oder Hahnenfuß, der auch so intensiv gift-gelb blüht. Es geht um Kreuzkräuter, die dann tödlich giftig sind, wenn davon zu viel im Futter ist. Die Leber schafft es dabei nicht mehr, die Überdosis an Gift (Pyrrolizidinalkaloide) abzubauen.
Mehrere Vergiftungsanzeichen von Wasserkreuzkraut
Klare Vergiftungsanzeichen sind, wenn das Vieh plötzlich tot umfällt, wochenlang liegen bleibt (4 Wochen in einem Fall) und nicht mehr aufstehen kann, nicht mehr frisst oder mehrfach Totgeburten auf die Welt kommen. Das sind die dramatischen Meldungen, die mir selber Bauern in Niederösterreich bei Kreuzkrautvergiftungen berichteten. Alle diese Betriebe hatten massenhaft gelb blühendes Wasserkreuzkraut auf ihren ÖPUL-Wiesen; es waren meist Feuchtwiesen auf anmoorigen Böden, solche mit Grundwassereinfluss oder überfluteten Wiesen. Alle betroffenen Betriebe mit tödlichen Kreuzkrautvergiftungen verfütterten ihr Wiesenfutter mit hohen Kreuzkraut-Anteilen hauptsächlich als Alleinfutter in Siloballen. Auch diese hohe und konzentrierte Darreichungsform (Dosis) dürfte ein wesentlicher Mitgrund tödlicher Vergiftungen gewesen sein.
Das Wasserkreuzkraut
Auch Bayern, nördlich der Gebiete von Salzburg bis Tirol, gehört in dieses Bild. Dort wurde ich bereits 2015 zu einer Kreuzkraut-Exkursion und zu einem Kreuzkraut-Vortrag in der Nähe von Garmisch-Partenkirchen eingeladen. Offenbar hatte man über meine Web-Artikel bemerkt, dass ich mich in Niederösterreich schon seit 2003 intensiv mit dieser Problematik beschäftige. Und ich beschäftige mich damit nicht aus bloßer botanischer Neugier, sondern weil in NÖ bereits ein Dutzend Rinder, aber auch Pferde, an derselben giftigen Pflanze verendeten: am Wasserkreuzkraut. Genau dieses Wasserkreuzkraut tritt heute nicht nur in Niederösterreich auf, sondern auch in Tirol beim Wilden Kaiser und in Bayern in einer Weise, die jeden aufschrecken müsste, der noch mit offenen Augen über Wiesen geht.
Das schwerwiegende Problem von Wasserkreuzkraut ist sein Verhalten in der Landschaft. Nach meinen Beobachtungen seit 2003 in Niederösterreich, Bayern und in der Schweiz beginnt die Ausbreitung oft auf früher nassen, später extensivierten und kaum gedüngten Wiesen, also auf Flächen, die agrarpolitisch gern als ökologisch höherwertig gelten, aber justament für Bauern und Fütterungsexperten minderwertiges Futter liefern. Von diesen Flächen wandert das Wasserkreuzkraut weiter und findet neue extensiv gewollte und geförderte Wiesen. Es besiedelt und überwindet dabei meterhohe anrainende Straßenböschungen. Es blüht inzwischen sogar auf trockenen, geschotterten Straßenbanketten, wo es genauso prächtig wie in Wiesen wächst und blüht. Wasserkreuzkraut wird sehr wahrscheinlich über Verkehr, Maschinen und Verschleppung weitergetragen. Das eigentlich Erschreckende ist, dass nicht betroffene Bauern das Wasserkreuzkraut nicht kennen und es sich im geeigneten nahen Wiesenumland gefährlich ausbreitet. In Bayern musste ich überrascht feststellen, dass sich das giftige Wasserkreuzkraut dort bereits in den üblich bewirtschafteten Drei- und Vierschnittwiesen auf moorigen Böden stark ausbreitet. Wasserkreuzkraut ist nun nicht mehr nur ein Problem vernässter Extensivflächen, sondern auch gewöhnlicher Wiesen.
Standorte, wie und wo Wasserkreuzkraut in NÖ wächst
Dabei ist die Ausbreitung nicht völlig beliebig, wie ich bei vielen eigenen Beobachtungen und Exkursionen sah. Kreuzkraut-Wiesen fand ich oft auf Wiesen mit dunklem, feuchtem und moorigem Untergrund. Auffällig sind dort auch die typischen notwendigen Entwässerungsgräben. Dort gibt es gleichzeitig viele Teiche sowie nahe Bäche oder andere Gewässer in diesen Gegenden. Meistens sind es ziemlich flache Wiesen. In der Schweiz und in einem Fall in NÖ waren es aber auch hängige Wiesen, wo das Wasserkreuzkraut auftrat. Die Düngung dieser Wiesen in NÖ war fast durchgehend spärlich oder vereinzelt ganz unterlassen worden. Das sah man auch am mageren Pflanzenwuchs mit geringem Ertrag. Typische Feuchtwiesenpflanzen wie Kuckuckslichtnelke, Binsen und andere Sauergräser zeigten in NÖ jedenfalls an, dass es feuchtere Wiesen waren. Dass sich das Wasserkreuzkraut auch auf trockene Straßenböschungen und die noch trockeneren geschotterten Straßenbankette mit viel Platz zum Wuchs ausbreiten kann, ist jedenfalls eine neue Beobachtung aus dem nö. Waldviertel. Wasserkreuzkraut wandert daher vermutlich als Straßenwanderer weiter und dringt in viele passende neue Wiesen im Waldviertel ein. Ich selbst sah das Wasserkreuzkraut inzwischen nicht nur in Niederösterreich, sondern auch in der Schweiz, in Bayern, Tirol, Kärnten, in der Steiermark und beim Neusiedlersee. Das Waldviertel hat auf dem Urgestein viele solche moorigen Standorte, weil das Wasser dort vermutlich nicht tiefer versickern kann. Dort sah ich dieses Muster geradezu flächig. Aber das Wasserkreuzkraut bleibt nicht auf der ursprünglichen feuchten Wiese. Es wandert vermutlich als Straßenwanderer weiter und dringt in passende neue Nutzungsräume ein.
Das Schmalblättrige Kreuzkraut
In Tirol kommt noch eine zweite, nicht minder bedrohliche Entwicklung dazu: das Südafrikanische oder Schmalblättrige Kreuzkraut. Diese Art rückt in einer fast unheimlichen Selbstverständlichkeit entlang von Autobahnen, Straßen, Gärten und Bahndämmen vor, oft völlig unbeachtet von Grundbesitzern, Behörden und Flächenverantwortlichen. Wer das einmal mit geschultem Blick verfolgt, sieht förmlich, wie diese Pflanze die Verkehrsachsen als Wanderkorridore erobert. Sie bleibt nicht bei ein paar kümmerlichen Rosetten am Rand stehen. Sie bildet drahtig-buschige Herde. In Tirol steht das Schmalblättrige Kreuzkraut nicht nur an Straßenrändern, sondern sogar an steilen Bergflanken, etwa an der Martinswand bei Innsbruck. Das allein müsste jedem zeigen, mit welcher Vitalität und Ausbreitungsfähigkeit wir es hier zu tun haben.
Noch problematischer ist, dass diese Art längst nicht nur im Tal unterwegs ist. Auch auf Almen treten bereits dichte Bestände und Ansammlungen auf. Die Pflanze beginnt meist an offenen, mageren, gestörten Bodenstellen, doch sie bleibt dort nicht. Hat sie einmal Fuß gefasst, kann sie sich in dicht wuchernden Beständen flächig ausbreiten. Alles spricht dafür, dass sie sich als Straßenwanderer über Verkehr und Verschleppung rasch verbreitet. Auch aus Südtirol ist bekannt, dass sich dieses Kreuzkraut neben den Autobahnen auf Almen massiv ausdehnt und man dort schon länger versucht, es einzudämmen. Ich selbst habe das Schmalblättrige Kreuzkraut vielfach vom Pyhrn bis nach Wien entlang der Hauptverkehrsrouten auf Straßenrändern beobachtet. Selbst in Städten, auf kargstem Boden und im Schutt abgebrochener Häuser, entwickeln sich daraus kräftige Pflanzen. Wer da noch an ein lokales Sonderphänomen glaubt, hat die Augen vor der Anpassungsfähigkeit dieser Art verschlossen.
Die Alpen-Kreuzkräuter
Von Niederösterreich bis Vorarlberg und Bayern stößt man zudem im Almbereich auf spezielle Alpen-Kreuzkräuter. Aus Tirol und Vorarlberg erhielt ich Hinweise auf besonders hochwüchsige, fast manngroße Bestände. Ganze dichte Massenbestände sah ich in Vorarlberg und Bayern selbst. Aus Riezlern in Vorarlberg gibt es nach Berichten von Gerhold (2006), dass dort viele Dutzend Schafe und Pferde auf Almen plötzlich tödlich vergiftet verendeten. Ja, selbst ein Almbauer, der die eigene Almmilch trank, ist schwer erkrankt, und erst im Krankenhaus sei die Vergiftung nach längerer Zeit erkannt worden. Spätestens an solchen Fällen endet jede romantische Verharmlosung. Dann geht es nicht mehr um ein „interessantes Unkraut“, sondern um Gift, um Tierleid, um wirtschaftliche Verluste und im Extremfall auch um menschliche Gesundheit beim Milchkonsum. Auch tut man bei der dortigen größten Molkerei ziemlich uninformiert, was verwundert. Das Problem ist in Kreisen deutscher Molkereien fachlich bekannt, aber öffentlich sichtbar haben bisher nur wenige erkennbar reagiert.
Kreuzkraut in Gemüsefeldern
Und als wäre das alles nicht genug, taucht das Südafrikanische oder Schmalblättrige Kreuzkraut inzwischen sogar in den intensiven Gemüsebaulagen in den Tiroler Tallagen bei Innsbruck auf. Dort siedelt es sich bereits mitten in den Hackreihen des Gemüsestreifens an, wie mir Fotos klar zeigen. Das ist agronomisch und praktisch von besonderer Brisanz, weil es zeigt, dass selbst intensiv geführte Ackerflächen nicht automatisch vor solcher Besiedlung geschützt sind. Noch erstaunlicher ist, wie sehr dieses Problem von angesprochenen landwirtschaftlichen Praktikern ignoriert wird. Eine leidvolle Kreuzkraut-Expertin in Tirol klagte mir, dass selbst betroffene Gemüsebauern diesem Unkraut noch immer keine Aufmerksamkeit schenken und das Problem gar nicht glauben wollen, vielmehr verärgert reagieren, wenn man sie darauf anspricht. Genau darin zeigt sich auch ein psychologischer Mechanismus bäuerlicher Wirklichkeit: Was nicht ins bisherige Weltbild passt, wird selbst dann noch nicht ernst genommen, wenn es bereits in den eigenen Reihen steht. Auf üblichen Ackerflächen ist bekannt, dass hier das Acker-Kreuzkraut auftreten kann. Es gab Berichte, wo es bei Rucola-Salat mitgeerntet wurde.
Fehlen kompetenter Grünlandberatung
Hier beginnt das Kreuz mit der Kreuzkraut-Beratung und mit der Agrarpolitik. Denn wenn ein Problem so sichtbar wird und trotzdem so zögerlich behandelt wird, dann stimmt nicht nur auf der Fläche etwas nicht, sondern auch in den Institutionen. Dass einer engagierten Kreuzkraut-Expertin in Tirol, wohl gerade wegen ihres besonderen und vielleicht zu unbequemen Engagements, der Dienstvertrag nach kurzer Zeit wieder gekündigt wurde, wirkt fast schon kammertypisch. Man kann sich des Eindrucks kaum erwehren, dass in solchen Apparaten unbequeme Warnungen ungern ins Konzept passen, anders als ruhige Erfolgsmeldungen. Im Jahr 2026 gibt es zwar in Tirol wieder Beratungsangebote zum Thema Greiskräuter aus dem Biolandbau und der Fütterungsberatung. Aber die Frage bleibt, warum es erst dann wieder sichtbare ÖKL-Beratungsversuche gibt, wenn die Ausbreitung erst nach so vielen Warnrufen wie des Grünlandbauern am Wilden Kaiser in Tirol erkannt wurde, der mir telefonisch schon Jahre vorher so klagte. Dabei war das Kreuzkraut-Problem in Tirol mehreren Experten durchaus schon länger bekannt. Wie man sieht, nutzt das auch wenig, denn es wird erst offiziell reagiert, wenn es vielerorts nicht mehr zu übersehen ist.
Ich vermute, dass in Landwirtschaftskammern vielfach nur jene Meldungen gefiltert nach außen gehen dürfen, die das Bild intakter Zustände stützen. Alles, was gegen das gepflegte Kammer-Image spricht oder den Eindruck eines schwindenden, wirtschaftlich bedrängten Bauernstandes verstärkt, stört. Dazu kommt, dass dieselben Institutionen die Bauern mit immer neuen Auflagen traktieren müssen, um diese teils misslungenen EU-Programm- und Geldkonstruktionen und agrarpolitischen Fehlentwicklungen nachträglich zu rechtfertigen. Statt den enormen Unmut der Landwirte mit Klartext und Druck an Parlamente und Regierung weiterzugeben, wird lieber gekammert, beruhigt, verharmlost und in Programmsprache verpackt.
Kreuzkräuter zeigen Fehlentwicklung der EU-Programme und EU-Gelder
Gerade hier wird das Kreuzkrautproblem zum Symptom einer größeren Fehlentwicklung. Denn gewisse EU-Umweltprogramme mit Extensivierung, Betriebsmittelverzicht und massiver Bioförderung sollten seit Jahrzehnten die Vegetation wieder stärker in einen „natürlicheren“ Zustand zurückführen. Dass damit in bestimmten prädestinierten Gebieten auch giftige Futterpflanzen massiv gefördert werden könnten, wurde offenbar aus lauter EU-Geldbegeisterung nicht ernsthaft mitgedacht. Und noch gravierender: Es wurde auch später kaum umgedacht. Genau dadurch konnte sich das Giftpflanzenproblem seit etwa 2000 in Österreich, aber auch in der Schweiz und in Bayern, massiv ausweiten.
Hätten Politiker weniger auf moralisch aufgeladene NGO-Kampagnen gehört und agronomische Fachberichte aus der Schweiz studiert, dann hätte man längst aus den dortigen Erfahrungen lernen können. Gerade in der Schweiz zeigte sich schon vorher und früh, dass auf Wiesenflächen mit Dünge- und Spritzmittelverbot das Kreuzkrautproblem durch diese Form der Extensivierung zunahm. Informationen, die ich anlässlich einer eigenen Exkursion dort in der Schweiz auch an obere Kammerstellen weitergab, zeigten weder Rückmeldung noch Kritik.
Die Schlussfolgerung ist unangenehm, aber agronomisch wegen der ÖPUL-Verpflichtungen klar: Wegen des plötzlichen Absetzens der Düngung wurden die wuchsstärkeren Futtergräser plötzlich ausgehungert und starben ab. Es gab keinerlei Warnhinweise oder Triggerwarnungen für ÖPUL-EU-Gelder. Die plötzlich mangelnde Ernährung der ertragreicheren Fettgräser riss Lücken in prädestinierte Wiesen. In diese Lücken drängen sich nicht nur erwünschte Arten hinein, sondern eben auch stark dominante, problematische und giftige Pflanzen wie Herbstzeitlosen, Klappertopf, Germer und Hahnenfußarten. Alle diese Arten samt dem Wasserkreuzkraut sind Zeichen von mangelnd gedüngten Wiesen und geringer Futterqualität. Damit können Bauern, wenn sie viele solcher problematischer Giftpflanzen-Wiesen haben, keine wirtschaftliche Viehwirtschaft mehr betreiben und immer weniger davon überleben. Fast kann man von einer mit EU-Geldern programmierten Wiesenvernichtung sprechen, die weiter und weiter bis hin zum Höfesterben und zur Landflucht reicht. Wer das nicht sehen will, verwechselt Programmsprache mit Pflanzenbau.
Kein Wunder also, dass zunehmend mehr Bauern diese EU-Gelder innerlich ablehnen. Gerade produktiv arbeitende, echt wirtschaftende Betriebe steigen aus ÖPUL-Programmen mit ihrem Aufzeichnungswahn, den ständigen Terminvorgaben und der administrativen Folter aus. Manche verzichten schon bewusst auf den ganzen Zauber des EU-Geldes. Weil sie ihre Höfe mit EU-Geld nicht in wirtschaftlich falsche Richtungen drängen und nicht ruinieren wollen. Auch um sich folgendes gewaltige Bürokratie-Theater zu ersparen: Das enorme von EU und AMA aufgezogene Hof-Kontroll-Theater, samt MFA-Theater, nunmehr sogar Satellitenüberwachung der Agrarflächen mit Foto-Berichtszwängen bei Unklarheiten und den Berg an ständig neuen Zwängen, Aufzeichnungen, Rechtsbestimmungen und Hofschnüffeleien, die sich fleißige EU-Bürokraten ausdachten, um Bauern am Gängelband zu halten. Viele empfinden darin längst keine Hilfe mehr, sondern ein Spitzelsystem zur Hof-Spionage und Gängelung, um Abhängigkeiten und Fernsteuerung zu schaffen.
Noch viel skandalöser ist, dass die Verantwortlichen von der EU bis zur kleinsten Bezirkskammer die realen Folgen dieser lebensentfremdeten Programm-Bürokratie für die realen Verhältnisse auf Wiesen, Feldern und in Ställen offenbar kaum mehr interessieren. Dabei hat die größte politische Bauernvertretung nach eigenen Angaben in Österreich 3.257 Ortsgruppen, 134 Bezirksgruppen und sogar Zehntausende Funktionäre – also bis ins letzte Dorf – und denen sind seit 25 Jahren nie diese Probleme aufgefallen? Und sie haben wegen der sich ausbreitenden Kreuzkraut-Wiesen nie entsprechende Änderungen zur Verbesserung der ÖPUL-Kalamitäten verlangt?
Zählt denn für sie auch mehr, dass Formulare und Auflagen perfekt erfüllt werden? Ist ihnen wirklich egal, wenn auf den Wiesen immer mehr Giftpflanzen im Futter lauern? Es scheint von ihnen niemand etwas zum Stopp des Unfugs in die Wege geleitet zu haben, bekommt man von außen den Eindruck. Gerade diese Verkehrung der Prioritäten ist ein Skandal: Zwänge zu immer neuer Bürokratie, aber keine Abhilfe und Gegensteuerung. Man hat ganz den Eindruck, dass jahrhundertealter bäuerlicher Fleiß und Geschicklichkeit auf dem Weg sind, mit EU-Geld und Bürokratie eingeäschert zu werden.
Die Tendenzen und Statistiken der EU-Gelder zeigen in Richtung einer schleichenden Kollektivierung zu Großbetrieben wie im Ostblock. Viehhaltung steht dabei am Abschuss. Das zeigen auch klar bereits durchwegs Großbetriebe von Gutsherren adeliger Abstammung: Abschaffung der Viehhaltung! Sie ist wegen des Fremdpersonals zu teuer, unsicher und unzuverlässig! Lieber lässt man Bauern selber billig im Stall schuften, weil ihr riesiger Funktionärsapparat trotzdem nicht in der Lage oder willens ist, einen gerechten Lohn für ihre hart erarbeiteten Produkte als Ausgleich einzufordern.
Anstatt den wachsenden Unmut vieler Landwirte mit Klartext, Rückgrat und echtem Druck von unten nach oben an Parlamente und Regierungen weiterzugeben, wird gekämmert, beschwichtigt, verwaltet und vertagt. Genau diese Mischung aus Anpassung, Sprachregelung und Konfliktscheue ist mitverantwortlich dafür, dass sich reale Probleme wie das Kreuzkraut auf den Wiesen weiter ausbreiten und verschärfen konnten.
Und damit zeigt die Kreuzkraut-Problematik weit mehr als nur ein botanisches oder futterwirtschaftliches Einzelproblem. Die zunehmende Giftpflanzen-Ausbreitung auf mühsam gewonnenen Futterwiesen legt schonungslos offen, wie weit sich Agrarbürokratie, Funktionärswelt und agrarpolitische Selbstberuhigung von der Wirklichkeit auf den Flächen entfernt haben. Während Formulare, Auflagen und Kontrollen immer weiter anwachsen, wird die entscheidende Frage verdrängt: Was wächst am Ende tatsächlich auf unseren Wiesen, was landet im Futter und welche Folgen hat das für Tiere, Milch, Bauern und die Qualität unserer Landwirtschaft?
Diese Giftpflanzen-Epidemie durch Kreuzkräuter ist ein typisches Symptom für eine fehlgeleitete Agrarpolitik. Die sichtbaren Alarmsignale der Wiesen, Almen und Felder durch Giftpflanzen werden seit Jahrzehnten nicht erkannt und Klagen über einen agrarischen Quälapparat nicht gehört.
Der immer gigantischere Bürokratiemoloch, das Funktionärsschweigen, politische Feigheit und realitätsferne Öko-Romantik lassen Betroffene mit Giftpflanzen im Stich.
Das Wiederauftreten altbekannter Giftpflanzen ist ein Zeichen gefährlicher Rückentwicklung von gefährlichen Naturkräften durch Naturromantiker, die mit EU-Geldern die Existenz unserer Bauern gefährden, bin ich inzwischen fest der Meinung. Das eigentliche Gift liegt am Ende nicht nur auf der Wiese, sondern in einem System, das Warnsignale verkennt und zu lange beschwichtigt. Dieses gigantische unflexible Bürokratie-System lässt betroffene Grünlandbetriebe und damit bäuerliche Existenzen leicht und unerhört unter die Räder kommen, trotz Kritiker, die sich noch trauen, das systemische Problem des EU-Geld-Programms aufzuzeigen.
