Geschichte der Hormesis 

Die Idee der Hormesis ist über 140 Jahre alt – also ein lang bekanntes Konzept, das ursprünglich aus Erfahrungen der der klassischen Toxikologie entstand.

Hier die geschichtliche Entwicklung im Überblick:

🧪 1. Ursprung im 19. Jahrhundert

  • Begriffseinführung:
    Das Wort „Hormesis“ stammt vom griechischen hormáein = „antreiben, erregen“.
  • Erste Beobachtungen:
    Schon in den 1870er–1890er Jahren bemerkten Forscher, dass niedrige Dosen noxischer Substanzen (z. B. Arsen, Phenol) Wachstum oder Aktivität von Organismen fördern..
    ➤ Beispiel: Hugo Schulz (1888, Universität Greifswald) beobachtete, dass niedrige Phenol-Konzentrationen das Wachstum von Hefezellen anregten, während hohe Konzentrationen sie hemmten.
    ➤ Später griff Rudolf Arndt diese Idee auf – daraus entstand die sogenannte

    Arndt-Schulz-Regel:

    „Schwache Reize fördern, mittlere hemmen, starke zerstören.“

⚗️ 2. Entwicklung im 20. Jahrhundert

  • Anfang des 20. Jh. wurde Hormesis lange nicht ernst genommen, weil sie mit der Homöopathie verwechselt oder in diese Richtung missbraucht wurde.
  • Erst ab den 1950er- bis 1980er-Jahren tauchte das Konzept wieder in der Strahlenbiologie auf (z. B. geringe Strahlendosen stimulieren DNA-Reparaturmechanismen).
  • Ab den 1990ern wurde es durch den US-Toxikologen Edward J. Calabrese (University of Massachusetts, Amherst) wiederbelebt.
    ➤ Er zeigte in hunderten Experimenten mit Chemikalien, Metallen, Strahlung und biologischen Agenzien, dass biphasische Dosis-Wirkungs-Kurven in vielen biologischen Systemen vorkommen.
    ➤ Seitdem gilt Hormesis als allgemeines biologisches Grundprinzip, nicht nur als toxikologisches Sonderphänomen.

🌿 3. Anwendung auf Pflanzen

  • In der Pflanzenphysiologie wurde das Thema ab etwa den 2000er-Jahren aufgegriffen.
    ➤ Forscher wie Velini et al. (2008) und Brito et al. (2018) übertrugen das Prinzip auf Herbizide – insbesondere Glyphosat – und belegten experimentell, dass niedrige Dosen Wachstumssteigerungen auslösen.
  • Trotzdem wird Hormesis in der Agrarforschung, Pflanzenökologie und Umwelttoxikologie noch immer kaum  untersucht.

📘 Überblick 

ZeitraumHauptakteure / DisziplinBedeutung
1870–1900Hugo Schulz, Rudolf ArndtArndt-Schulz-Regel: schwache Reize fördern, starke hemmen
1950–1980StrahlenbiologenNiedrigdosis-Stimulation (z. B. Zellreparatur)
1990–heuteE.J. Calabrese, Toxikologen, PflanzenphysiologenSystematische Bestätigung in vielen Organismen, inkl. Pflanzen

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