Kreuzkraut-Krise in Tirol: Giftige Pflanzen breiten sich ungebremst aus – wer handelt?

Teil 1: Ausgangslage und dramatischen Situation in Tirol

In den letzten Jahren hat sich in Tirol eine ernstzunehmende Gefahr für die Landwirtschaft, Bevölkerung und Tierwelt ausgebreitet: die giftigen Senecio-Arten, auch als Kreuzkräuter oder Greiskräuter bekannt, breiten sich zunehmend in Grün- und Ackerflächen aus. Besonders das Südafrikanische oder Schmalblättrige Kreuzkraut (Senecio inaequidens), das Wasserkreuzkraut (Jacobaea aquatica = Senecio aquaticus), das Gewöhnliche Kreuzkraut (Senecio vulgaris) und das  Alpen-Kreuzkraut (Senecio alpinus) haben alarmierende, gefährliche Ausbreitungsdimensionen erreicht. Stark betroffen sind vor allem bestimmte Täler und Gegenden in Tirol. Auch in Bayern und Südtirol ist dieses Phänomen ist in gewissen Regionen eine extrem starke Ausbreitung zu beobachten. Inzwischen sind die unerwünschten Kreuzkräuter auch in Südtirol und Bayern ein unbeherrschbares Problem geworden. Nämlich, so wie es bei uns sich niemand seriös mit der wirklichen breiten Eindämmung kümmert oder gar vielleicht nicht mehr kümmern kann oder will, trotz einiger bescheidener wissenschaftlicher Versuche. Es ist bemerkenswert, dass sich in Österreich, abgesehen von dürftigen Broschüren, die kaum einer kennt, von staatlicher Seite und der Landwirtschaftskammern keine effektiven Bemühungen zur Kreuzkraut-Eindämmung, trotz möglicherweise bedrohter Lebensmittel und Biodiversität erkennbar sind.

Diese giftigen Kreuzkräuter wachsen – oder besser gesagt: wuchern – teils schon meterhoch und üppig an Wegen sowie in landwirtschaftlichen Wiesen, Weiden, Äckern und Almen. Mir zugesandte Bilder zeigen die Pflanzen in prächtigem, aber zerstörerischem Wuchs, selbst in Gärtnerei-Beeten und an Steinwänden wie der bekannten Martinswand. Auch Honige von Imkereien sind bedroht, da die Bienen gut beobachtbar von den goldgelb blühenden Kreuzkräutern stark angezogen werden.

Die Ausbreitung dieser Pflanzen hat inzwischen Ausmaße angenommen, die dringend zum Handeln auffordern. Die inzwischen immer dramatischer werdende Verbreitung der Kreuzkräuter stellt eine erhebliche, multiple Gefährdung der öffentlichen Sicherheit dar: Sie bedroht das Vieh, gefährdet die Milchwirtschaft, Käsereien, Imkereien und Gärtnereien. Trotz der Tatsache, dass diese Bedrohung bereits seit Jahren bekannt ist, bleibt die öffentliche Wahrnehmung sowie der politische Umgang mit dieser Problematik weitgehend unzureichend.


Bislang nehmen leider nur einige besonders aufmerksame Naturscouts und wenige Bauern die dramatischen Auswirkungen auf die Vegetation und die Vernichtung der Futterressourcen in der Viehwirtschaft wahr. Parallel zur bedrohlichen Ausbreitung der giftigen Pflanzen vollzieht sich eine beunruhigende Verdrängung der heimischen Flora, was einen Angriff auf die heimische Biodiversität darstellt – wenn nicht sogar eine ernsthafte Bedrohung für deren Existenz.

Es ist daher höchste Zeit, der bedrohlichen Ausbreitung dieser giftigen Pflanzen eine breite, vorrangige Aufmerksamkeit zu schenken. Die heimische Flora, der in Tirol wichtige regionale Gemüsebau, unsere Futterwiesen und damit die heimische Viehwirtschaft sind von dieser Plage massiv bedroht. Es gilt, verstärkt auf dieses Phänomen aufmerksam zu machen, um unsere wertvollen heimischen Ressourcen zu retten. Primär müssen das Personal von Gärtnereien, Grünland- und Ackerbaubetrieben sowie das Straßenpflegepersonal mitsamt der Bevölkerung gründlich in der Erkennung von Giftpflanzen geschult werden, um die damit verbundenen Gefahren zu erkennen.

Eine Initiative des Institutes für Botanik unter Mag. Dr. Konrad Pagitz vom Institut für Botanik der Universität Innsbruck, Sternwartestraße 15, 6020 Innsbruck, und der Abteilung Umweltschutz des Landes Tirol veranstaltet dazu bereits Ausbildungskurse zur „Neophytenfachkraft für Tirol“. Informationen dazu unter https://www.uibk.ac.at/de/botany/neophyten-tirol/neophytenfachkraft-tirol/. Kurskosten 2024: 150 €. Anmeldung und Info unter konrad.pagitz@uibk.ac.at, Telefon: +43-512507-51059 oder neophyten@uibk.ac.at.

Wegen des eher abschreckenden Kostenbeitrags wird man höchstwahrscheinlich nicht die breite Bevölkerung erreichen. So wird man wohl nur wenige Hardcore-Liebhaber, nicht aber eine breit interessierte Öffentlichkeit erreichen. Fast habe ich inzwischen den Eindruck, dass eine wirklich offene, breite Aufklärung der Öffentlichkeit gar nicht so wirklich erwünscht ist. Vielleicht ist man sogar besorgt, dass die generelle Aufklärung für Gärtnereien, Gemüsebau, Molkereien, den Milchexport und die Viehwirtschaft verunsichern und schaden könnte.

Fakt ist jedoch, dass diese neue Pflanzeninvasion nicht weniger wird. Vielmehr muss mit einer immer großflächigeren und schnelleren Ausbreitung der unerwünschten Kreuzkräuter gerechnet werden. Das zeigt bereits die massive Ausbreitung in Südtirol und Bayern seit Jahren. Inzwischen sind die unverwüstlichen unerwünschten Kreuzkräuter auch in Südtirol und Bayern ein unbeherrschbares Problem geworden. Nämlich, so wie es bei uns sich niemand seriös mit der wirklichen breiten Eindämmung kümmert oder gar vielleicht nicht mehr kümmern kann oder will, trotz einiger bescheidener wissenschaftlicher Versuche.

Ja, es müssten nun viel mehr auch die Lehre über Giftpflanzen in die Curricula und Lehrpläne der Schulen aufgenommen werden, wenn man eine wirksame Aufmerksamkeit und Breitenwirkung erreichen will, um auf die Gefahr und Eindämmung von Giftpflanzen aufmerksam zu machen.

Ich muss aus 40 Berufsjahren sagen, dass auch die allermeisten Landwirte bei Giftpflanzen in ihrem Futter und ihren Kulturen überfordert sind. Vor den Gefahren der Giftpflanzen wird offenbar, beginnend bei den Universitäten bis zu den Landwirtschaftsschulen, dieses neue Phänomen viel zu wenig unterrichtet und geprüft. Wenn heute Biodiversitäts-Heil bis zu den Webseiten der Ministerien so stark propagiert wird, darf man nie vergessen, dass im Pflanzenreich auch etwa 5 % giftige Pflanzen zur pflanzlichen Natur gehören. Niemand will sie jedoch in seiner Nahrung oder im Viehfutter haben, wenn sie bis zu tödlichen Vergiftungen führen können.

Daher ist es völlig verkehrt, nur das Heile-Welt-Bild und Ideal der wahren Biodiversität zu predigen. Es gibt nämlich auch ganze Lehrbücher über die Giftpflanzen und die Vielzahl an natürlichen Giftstoffen in den Pflanzen. Das wohl bekannteste Beispiel aus dem Mittelalter ist der Ergotismus, auch „Antoniusfeuer“ genannt, mit dem feurigen Kribbeln der Finger, wenn Getreide durch das Mutterkorn verunreinigt ist.

Südafrikanisches, Schmalblättriges Kreuzkraut (Senecio inaequidens) wartet bereits am Acker
Bahn als Vermehrer von Südafrikanischem, Schmalblättrigem Kreuzkraut
Südafrikanisches, Schmalblättrige Kreuzkraut – die neue Alpenflora???

Q: Fotos und Informationen dankend erhalten aus Tirol!


Tiefergehende Fachliteratur zu Gefahren von Kreuzkräutern

Folgende Fachbeiträge, zeigten weiterführende Informationen wie schwierig die Eindämmung von Kreuzkraut ist und wie sich die PA-Giftstoffe allein auch von andere Pflanzen aufgenommen werden und zu tödlichen Vergiftungen führten. 

https://www.tiroltoday.at/beitrag/giftpflanze-jakobskreuzkraut/

In dem Beitrag vom 17.08.2022 berichtet ein Bauer vom Tiroler Unterland über Jakobskreuzkraut, wie es sich auf seiner Wiese breitflächig ausbreitet. Eigentlich ist es in dem Fall das inzwischen viel problematischere Wasserkreuzkraut, wie es auch in Bayern (Farchant) und im nördlichen Waldviertel großflächig auftritt!

www.provinz.bz.it/land-forstwirtschaft/wald-holz-almen/downloads/Das_schmalblaettrige_Geiskraut_Vinschgau.pdf

Der Beitrag zeigt die Ausbreitung des auf Südtiroler Almen mit einem Bekampfungsversuch mit hohem Wirkungsgrad von 90%.

Eigentlich zeigt dieser öffentliche Leitfaden die ganze Kreuzkraut-Problematik voll auf. Es fragt sich nur warum er nicht umgesetzt wird.

https://www.3drei3.de/artikel/vergiftung-mit-pyrrolizidinalkaloiden-bei-mastschweinen_3984/

Der Beitrag zeigt auf, dass die PA-Giftstoffe wie von Kreuzkraut-Arten im Boden sogar von Getreidewurzeln aufgenommen werden und zu tödlichen Vergiftungen bei Schweinen in Spanien führten. 

In weiteren Beiträgen möchte ich berichten über:

  • Die wahre und relative Giftigkeit und die tödlichen Gefahren von Kreuzkraut-Arten
  • Schwierigkeiten bei der Bekämpfung
  • Lösungsansätze und Handlungsbedarf
  • Den dringenden Weckruf für Tirol (und Österreich), die giftigen Kreuzkräuter auf Kulturflächen endlich einzudämmen

Bearbeitungsstand: 16.1.2025

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