Schon am 7. Juni 2023 erhielt ich in WhatsApp eine Anfrage zum Phänomen mit Schaum auf Wintergerste in etwa mittlerer Höhe der Stängel (also Schaum oder „Kuckucksspeichel” von Schaumzikaden):
„Guten Tag, Herr Humer. Was ist das Weiße hier an meiner Wintergerste? Schöne Grüße, M.Ö., aus Peilstein im oberen Mühlviertel, OÖ.“

Nun, am 20. Mai 2025, postete nun wiederum ein Landwirt im mittleren Mühlviertel (Herzogsdorf) Fotos mit Schaum auf Wintergerste in der AGÖ-Gruppe: Grünland & Ackerbau Neu. Das neuerlich beobachtete Auftreten in nur ca. 25 km Entfernung dieser Orte deutet auf ein bemerkenswertes nahes und vermutlich auch häufigeres Aufkommen der Getreide-Schaumzikade im Ackerbau hin.

Übliche Schaumzikaden kennt man bei uns in Österreich nur im Grünland mit der typischen Schaumbildung am Stängel unterhalb der Blüte auf dem Wiesenschaumkraut. In Wiesen ist es die bekannte Wiesenschaumzikade (lateinisch: Philaenus spumarius), die man aber nur verdeckt unter der Schaumblase suchen muss, um sie auch sehen zu können.
Dieser Schaum, gebildet aus dem geraubten Pflanzensaft, ist gleichzeitig das Problem, weil man sie unter diesem Schutzmantel nicht schnell und leicht chemisch bekämpfen kann.
Es ist daher ratsam, sich mit den Ursachen der Ausbreitung dieses weiteren neuen Schadinsekts zu beschäftigen, deren Ergebnisse ich hier zeige:
Warum Schaumzikaden in Getreide auffällig häufiger auftreten (KI-Recherche)
| Ursache | Was dahintersteckt | Kernaussage |
| 1. Milder, nahezu frostfreier Winter 2024/25 | Eier überwintern in Stoppeln und Halmen. Die GeoSphere-Bilanz zeigte +1,1 °C im Tiefland; Kältestress fiel somit weitgehend aus. (Ask IFAS – Powered by EDIS, Geosphere) | Höhere Ei-Überlebensraten → größere Startpopulation im Frühjahr. |
| 2. Schnellere Entwicklung durch wärmere Frühjahre | Schon 3–5 °C genügen, damit Larven schlüpfen; Optimum liegt bei 27 °C. (Nature) | Eine Generation schafft es eher komplett bis zur Ährenschieben-Phase der Wintergerste. |
| 3. Hohe Luftfeuchte im Bestand | Die Nymphen brauchen Feuchtigkeit, um den Schutzschaum zu bilden; dichtes Frühjahrs-Laub + Tau/Windstille reichen dafür auch in einem insgesamt trockenen Jahr. (Ask IFAS – Powered by EDIS) | Begünstigt hohe Larvenüberlebensraten. |
| 4. Stoppel- und Mulchsaaten, reduzierte Bodenbearbeitung | Eier bleiben in unverrottetem Stroh ungestört; pflügen würde sie vergraben oder zerstören. (Ask IFAS – Powered by EDIS) | Bestände nach Direktsaat weisen erfahrungsgemäß deutlich mehr Schaumnester auf. |
| 5. Breites Wirtspflanzenspektrum & mehr ökologische Brachen | Philaenus spumarius nutzt >170 Pflanzenarten (Gräser, Kräuter, Sträucher). Feldränder, Blühstreifen und Zwischenfrüchte halten Populationen über das Jahr am Leben. (Wikipedia) | Dauerhafte „Brücke“ von Grünland → Acker. |
| 6. Weniger breit wirksame Insektizide | Seit dem EU-Verbot neonikotinoider Beizen (2018 ff.) und weiteren Wirkstoff-Restriktionen wird auf Wintergetreide kaum noch gegen saugende Insekten behandelt. (AgriBusiness Global) | Natürliche Gegenspieler reichen nicht aus, um die entstandene Lücke zu schließen. |
| 7. Langfristiger Klimatrend | Beobachtungen der Praxis und LK-Vorträge berichteten das „neue“ Auftreten auf Getreide und verbinden es mit dem Klimawandel. (Futterwiesenexperte HUMER) | Verlängerte Vegetationsperioden + häufigere Extremjahre → Insekten, die früher selten waren, werden regelmäßig schädlich. |
Das Zusammenspiel im Detail
- Überwinterung & Startpopulation
– Die Eier liegen einzeln oder in Reihen in Getreidestoppeln oder dichten Gräserbüscheln. Warme Winter wie 2024/25 reduzieren die natürliche Mortalität erheblich. (Ask IFAS – Powered by EDIS, Geosphere) - Frühjahrsentwicklung
– Schon ab ≈3 °C beginnt die Restentwicklung des Embryos; bei 26–28 °C durchlaufen die Larven ihre fünf Stadien in 6-8 Wochen. Sobald Halme dicht genug sind, wechseln sie von Kräutern in die Gersten- bzw. Triticalebestände. (Nature) - Feuchtigkeit & Mikroklima
– Auch in einem insgesamt trockenen Jahr bleibt innerhalb des dicht schließenden Wintergetreides genügend Tau und Blattfeuchte für die Schaumnester. Der Schaum schützt vor Austrocknung und Feinden, sodass fast alle Larven durchkommen. (Ask IFAS – Powered by EDIS) - Fruchtfolge & Bodenbearbeitung
– Direktsaat, Mulchsaat und das Belassen von Strohhäcksel fördern die Eiüberdauerung. Auf gepflügten Flächen oder nach Sommerungen ist der Befallsdruck meist geringer. (Ask IFAS – Powered by EDIS) - Landschaftliche Vielfalt
– Blühstreifen und Stilllegungen erhöhen die botanische Vielfalt – gut für Biodiversität, aber auch für einen polyphagen Sauger wie P. spumarius, der damit ganzjährig Wirtspflanzen findet. (Wikipedia) - Pflanzenschutz-Regime
– Frühere Neonic-Beizen wirkten systemisch gegen Larven; seit ihrem Wegfall bleibt oft nur eine Pyrethroid-Behandlung in Ausnahmefällen. Dadurch übersteht ein größerer Teil der Population die Bestandsentwicklung. (AgriBusiness Global) - Klimawandel als Treiber
– Längere Vegetations- und Flugzeiten ermöglichen Überlappungen: Späte erwachsene Tiere können Eier in noch grüne Stoppeln legen, wodurch selbst trockene Sommer nicht mehr als Populationsbremse wirken. (Futterwiesenexperte HUMER)
Was man tun kann
- Stoppelbearbeitung oder Pflügen nach der Ernte zerstört Eiablageplätze.
- Frühe Unkrautkontrolle (v.a. Gräser) reduziert Reservoirpflanzen.
- Bestandesdichte steuern – zu üppige N-Düngung begünstigt ein feuchtes Mikroklima.
- Monitoring ab Mitte April: Schaumnester in Randreihen zählen (Schwelle ≈1 Nest / lfd. m).
- Gezielter Insektizideinsatz nur bei Überschreiten der Schwelle, abends applizieren (Schutz von Bestäubern).
AGES und Landwirtschaftskammern erwähnen Zikaden als Schadinsekten meist nur allgemein oder auf Spezialkulturen wie im Weinbau. Die Schilfglasflügelzikade verbreitet sich rasant in Deutschland und bringt erhebliche Schäden in der Landwirtschaft mit sich. Die von ihr übertragenen Erreger reduzieren Erträge, mindern die Qualität und gefährden ganze Kulturen, berichtet www.agrarheute.com vom 13.03.2025. Eine gewisse Gefahr ist also naheliegend.
Eigene Schlußfolgerungen zu Schaumzikaden auf Getreide
- Mehrere Arten von Zikaden treten heutzutage immer häufiger als Schädlinge in Agrarkulturen auf.
- Fördernde Gründe dürften die immer wärmeren Verhältnisse für eine raschere Vermehrung sein, wie man das bereits bei immer mehr Insekten beobachtet, die immer mehr Schäden verursachen. Der Klimawandel mit deutlich mehr heißen als feuchten Perioden dürfte dafür der Wegbereiter sein.
- Geldabhängige EU-Zwangsauflagen: Der zusätzliche Zwang der EU mit geldabhängig machenden Zwangsauflagen wie Umweltprogrammen wie ÖPUL durch Direktsaat, Mulchsaat mit enorm vermehrten überwinternden bodenbedeckenden Ackerbegrünungen und dem zusätzlichen EU-Zwang mit der Förderung einer Pseudo-Biodiversität durch Acker-Blühstreifen, die ohnedies von vielen Bauern abgelehnt werden, sind inzwischen längst ideale Brutstätten für viele Schädlinge, einschließlich Mäusen, die damit immer mehr Unterschlupf und somit mehr Überwinterungsmöglichkeiten und Brutstätten zur Massenvermehrung der wärmeliebenden Schädlinge bekommen. Auch der immer massiver eingeschränkte Pflanzenschutz und Düngeverzicht oder -reduktion und auch die massiv geldgeförderte Ausbreitung des Biolandbaus vermute ich als weitere Ausbreitungsquelle, so wie es bereits mit Problempflanzen wie Problemunkräutern und sogar Giftpflanzen der Fall ist. Leider übersieht das die Forschung durch ihr übertriebenes Umwelthelfersyndrom.
- Es scheint fast so, als ob EU, Landwirtschaftsministerien und Landwirtschaftskammern gemeinsam mit großflächig ungeprüften, aber geldabhängigen Zwangsauflagen selbst die Ursache dieser zunehmenden Probleme sind. Ich habe dabei selbst den Eindruck, dass Maßnahmen der nationalen und EU-Agrarpolitik mangels fehlender Risikoabschätzungen nicht voll durchdacht sind. Vielmehr scheinen mir viele dieser EU-Auflagen ferngesteuert manipuliert eingeschleust zu sein, und zwar von selber enorm geldgierigen NGOs und weltverbessernden Forschern, die Bauern unkonsultiert völlig unkritisch überlegte, ungeprüfte Zwangsmaßnahmen aufzuzwingen.
- Die gute Nachricht: Mit konsequenter Stoppelhygiene, Variation in der Bodenbearbeitung und frühzeitiger Beobachtung sind mögliche Ansatzpunkte, um diese vormals unauffällige Insektengruppe von Zikaden im Getreidebau rechtzeitig in den Griff zu bekommen. Soweit sich die Schaumzikade vom Foto vom 8. Mai 2025 nicht weiter ausbreitet, scheint mir erst über 1 Nest/m² eine Behandlung bekämpfungswürdig.
Zikaden Beitrag 2023: https://futterwiesenexpertehumer.com/2023/06/10/schaumzikaden-auf-gerste-juni-2023-muehlviertel/
Stand 22. Mai 2025
