
Der folgende Text ist meine Transkribierung einer kürzlichen OE1 Sendung: Vom Leben der Natur, Schnüffelnde Pflanzenjäger vom 15- bis 16. Mais 2025 in Ö1 um 8h55, für interessierte und betroffene Landwirte, die Probleme mit den giftigen Greiskäutern in Feldern und Wiesen haben. Offenbar haben Greiskäuter nun auch in Äckern einen gefährlich zunehmenden Trend, so wie mir das Landwirte von Futterwiesen bereits seit 2003 in NÖ berichteten, wodurch sich etliches Vieh vergiftete und auch verendete. Über das ungelöste Problem der massiv zunehmenden Ausbreitung dieser Giftpflanzen neuerdings auch in Tirol auf Wiesen und ebenso Gemüsefeldern, berichtete ich bereits heuer 2025 in einem Fachbeitrag hier..
In diesem Beitrag berichten im ORF Oe1 als Gesprächspartner:
1 DI Dr. Silvia Winter, Institut für Pflanzenschutz, Universität für Bodenkultur in Wien
2 Dr. Leopold Slotta-Bachmayr, Biologe, Hundetrainer und Rettungshundeführer beim Roten Kreuz
Oe1-Transkript, Mo 12.5.2025, Vom Leben der Natur. Schnüffelnde Pflanzenjäger.
Oe1: Die Agrarökologin Silvia Winter und der Hundetrainer Leopold Slotterbachmeier erzählen, wie Hunde Giftpflanzen in landwirtschaftlichen Kulturen aufspüren. Heute die verborgene Gefahr auf Feldern.
Agrarökologin Silvia Winter:
Also die Idee, die Spürhunde einzusetzen, ist mir echt gekommen, weil wir Proben von draußen von den Feldern mitgenommen haben, von den Giftpflanzen. Die wurden vorher getrocknet und bei mir im Büro so zwischengelagert. Mir ist immer aufgefallen, immer in der Früh, wenn ich ins Büro gegangen bin, dass ein sehr intensiver Geruch da war und dass das teilweise sogar in stehendes Glas Wasser dieser Geruch übergegangen ist. Und dann haben wir gedacht, was sind das für Geruchsstoffe? Könnte man das vielleicht irgendwie verwenden? Und dann habe ich über eine Kollegin mitgekriegt, dass diese Spürhunde eigentlich super geeignet sind, um auch Arten aufzuspüren. Und dann dachte ich, vielleicht könnte man irgendwie das verknüpfen, analytisch, chemisch sich anschauen und andererseits die Spürhunde auf diesen Geruch trainieren.
Hundetrainer Slotta-Bachmayr:
Zum jolenden Spürhund: Ja, alles gut, alles gut. So, hör auf jetzt. Sitz dich nieder.
Agrarökologin Silvia Winter:
Unser Projekt Giftpflanzen-Spürnasen, Hunde auf der Jagd nach der verborgenen Gefahr auf Feldern, beschäftigt sich eben damit, wie man ausgebildete Spürhunde auf landwirtschaftlichen Feldern einschätzen kann, damit man halt Giftpflanzen wie die Greiskräuter effizient und rasch und verlässlich aufspüren und entfernen kann.
Greiskräuter (=Kreuzkräuter) sind Giftpflanzen, die wachsen auf allen möglichen Standorten. Ein paar Arten kommen auch auf Feldern vor, also das ▶ Gewöhnliche Greiskraut. Und wir haben jetzt auch das ▶ Frühlingsgreiskraut und das ▶ Schmalblättrige Greiskraut auf Kräuter- und Gewürzfeldern (!) gefunden. Und es ist insofern ein Problem, wenn es gerade bei Blattkräutern mitgeerntet wird, weil es die Ernte kontaminiert, also es wird einfach verunreinigt durch diese Giftstoffe. Und es gibt neue Grenzwerte auf EU-Ebene, die sehr, sehr streng sind. Das heißt, einzelne Pflanzen, es können fünf Pflanzen pro Hektar sein, die können dann praktisch die ganze Ernte schon vernichten (unbrauchbar machen), wenn die vorher nicht von den Bauern schon entfernt werden.
Oe1: Und wie viel Aufwand ist es, die Greiskräuter von den Feldern zu entfernen?
Agrarökologin Silvia Winter:
Es ist sehr, sehr viel Aufwand. Und ich war selber unterwegs und bin die Felder abgegangen. Und irgendwann ist die Frage entstanden, wie kann man das eigentlich effizienter machen? Und zufällig habe ich das von einem anderen Projekt mitgekriegt, dass eben Spürhunde für andere Arten ausgebildet werden. Es gibt ein paar Beispiele weltweit, also ungefähr drei, wo es auch für invasive Pflanzen verwendet werden, dass man die aufspüren kann. Und auch das könnten wir noch auch mal probieren mit dem Greiskraut. Und so habe ich dann Kontakt aufgenommen zum Verein. Und der Leo war dann ganz offen und hat gesagt, ja, auf jeden Fall. Und so sind wir eigentlich zueinander gekommen.
Hundetrainer Slotta-Bachmayr:
Ich bin seit 30 Jahren Rettungshundeführer beim Roten Kreuz und ich habe Biologie studiert. Und ich habe mit der Wildkatze zu arbeiten begonnen. Und wir hatten Probleme, einerseits Wildkatzen zu finden und andererseits Wildkatzen von Hauskatzen zu unterscheiden. Und da ist die Idee gekommen, Hunde zu verwenden. Und da habe ich sozusagen das, was ich auf der Uni gelernt habe und das, was ich in meiner Freizeit gelernt habe, kombiniert und habe begonnen, meinen ersten Hund als Arten-Spürhund auszubilden. Und so hat sich das Ganze weiterentwickelt. In der Zwischenzeit gibt es einen Verein Naturschutzhunde seit über fünf Jahren, der sich saisonstrukturiert mit dem Thema beschäftigt. Wir bieten Kurse an, um die Hunde entsprechend auszubilden. Wir bieten Zertifizierungen an, um auch die Qualität zu sichern. Wir schicken Hunde in den Einsatz, um einerseits zu zeigen, wie gut die Hunde sind. Andererseits einfach auch diese Effekte, dass Hunde Gerüche sehr gut unterscheiden können, sehr klar Arten unterscheiden können, sehr schnell sind. Dinge finden, die der Mensch normal nicht findet, weil wir ja mit Gerüchen arbeiten. Das heißt, wir brauchen nicht irgendwo etwas Sichtbares, sondern der Geruch kommt irgendwo zwischen der Vegetation heraus oder aus einem Steinhaufen heraus und der Hund kann den dann entsprechend lokalisieren. Das machen sozusagen die Naturschutzhunde. Das, was wir mit den Greiskräutern arbeiten, ist von der Nasenleistung her für die Hunde eigentlich kein Problem. Von daher kann das theoretisch jeder gesunde Hund, der nicht unbedingt eine kurze Nase hat, gut abarbeiten. Der Knackpunkt ist immer die Motivation. Du brauchst immer einen Hund, der sehr gerne arbeitet, arbeitsbereit ist, aufnahmebereit ist und der gelernt hat, diese Gerüche zu unterscheiden und dann geht das. Und du hast schnell einmal Hunde, die die Gerüche gut unterscheiden können, aber diesen arbeitsbereiten Hund zu kriegen, das ist sozusagen die Kunst, den zu finden und den dann einzusetzen.
Morgen um 5 vor 9. Giftige Kreisgeräuter.
Oe1-Transkript, Di 13.5.2025, Vom Leben der Natur. Unerwünschte Greiskräuter.
Oe1: Die Agrarökologin Silvia Winter erzählt, wie Giftpflanzen in landwirtschaftlichen Kulturen aufgespürt werden.
Heute: Unerwünschte Greiskräuter.
Agrarökologin Silvia Winter:
Wir sind jetzt bei unserem Beet im Garten von der Universität für Bodenkultur und wir haben da einige Greiskrautarten angepflanzt. Das Frühlingsgreiskraut, wie der Name schon sagt, blüht es erst im Frühling. Es ist eine einjährige Art und daneben haben wir dieses Schmalblättrige Greiskraut. Es hat diese ganz schmalen Blätter und verholzt, und es ist eine ausdauernde Art. Wenn die mal drinnen ist im Feld, dann kann die immer wieder Blüten ausbilden und bleibt viele Jahre bestehen, falls sie natürlich nicht vorher schon entdeckt wird. Die Landwirte sind schon sehr gut trainiert und sind des Problems bewusst, aber dieses Schmalblättrige Greiskraut, wenn ich eine schmalblättrige Kulturpflanze habe, ist es nicht so leicht zu sehen, wenn es nicht blüht. Die Greiskräuter, also der lateinische Name ist Senecio, das ist eine Gattung von den Korbblütlern, eine sehr artenreiche Familie und hat auch viele Arten in der Gattung. Die haben alle diese Pyrolizidin-Alkaloide, diese PAs, die giftig sind in unterschiedlicher Konzentration. Wir haben jetzt bei Analysen schon gesehen, dass das Schmalblättrige um die zehnmal so giftig ist wie das Gewöhnliche Greiskraut. Die Häufigkeit in den Feldern ist aber geringer, also am häufigsten findet man das Gewöhnliche Greiskraut, was ja praktisch auch überall wächst, auch in jedem Garten. Irgendwo, wo ein Stückchen Erde offen ist, kommt es sofort auf. Es kann auch jederzeit keimen. Das heißt, die kann im Herbst keimen, auch im Winter, wenn es nicht friert, im Frühling. Es kann jederzeit auftreten und hat eine sehr kurze Generationsdauer. Das heißt, innerhalb von fünf bis sechs Wochen findet die Keimung statt. Die Pflanze blüht, bildet Samen aus und stirbt dann nach der Blüte ab. Im Gegensatz dazu, ist das Schmalblättrige Greiskraut eben ausdauernd. Das heißt, es keimt auch ziemlich rasch und sehr erfolgreich. Ich habe den ersten Keimversuch gemacht. Es kann auch schon im ersten Jahr blühen und dann halt viele Jahre überleben. Es verholzt auch kann und immer wieder sehr, sehr viele Samen, also mehrere Zehntausend Samen produzieren, eine einzige Pflanze. Das ist auch das Problem mit der Verbreitung. Oft treten in den Feldern Pflanzen auf, man weiß gar nicht, wo die herkommen. Die Regionen, wo wir jetzt gearbeitet haben, Marchfeld, Weinviertel, das ist auch eine Region, wo es sehr windig ist. Das heißt, die Samen können über viele Kilometer weit verbreitet werden oder auch von Schottergruben oder irgendwelchen Straßenrändern reinfliegen in die Felder oder entlang von Eisenbahnen. Das heißt, der Landwirt kann sich jetzt schwer davor schützen, dass das jetzt irgendwo vom Wind daherkommt.
Oe1: Warum ist das Frühlingsgreiskraut problematisch? Das sieht ja total hübsch aus, so wie es da blüht.
Agrarökologin Silvia Winter:
Die Blüten sind eigentlich sehr hübsch, so gelbe Korbblütler mit Röhren- und Zungenblüten und werden auch gern von Bienen bestäubt. Das ist auch so ein Thema, dass PA auch in Honig auftreten können. Also man sollte jetzt keinen Bienenstock in der Nähe von einer Fläche stellen, die sehr stark von Greiskräutern bewachsen ist, weil man sonst so ein Problem hat mit dieser PA-Belastung im Honig.
Diese Pyrolizidin-Alkaloide sind eigentlich ein Schutzprogramm für die Pflanze. Das heißt, sie werden in den Wurzeln hergestellt und Fraßfeinde werden dadurch abgehalten. Es gibt ein paar spezialisierte Insekten, aber auch Blattläuse, denen es nichts ausmacht. Die werden dann dadurch teilweise selber giftig, also schützen sich mit diesen Giftstoffen. Aber die meisten Fraßfeinde werden praktisch abgewehrt und dadurch können sich die Pflanzen natürlich auch im Verhältnis zu anderen nicht giftigen Pflanzen besser behaupten auf Standorten.
Das Frühlingsgreiskraut ist ungefähr seit dem 19. Jahrhundert in Österreich nachgewiesen. Das ist aus dem Balkan eingeschleppt worden. Und beim Schmalblättrigen Greiskraut, das hat einen wesentlich längeren Weg nach Europa gehabt. Aus Südafrika stammt es ursprünglich und wurde über Woll-Importe im 19. Jahrhundert vor allem zuerst an diesen großen Häfen in Europa eingeschleppt. Und nachfolgend hat es sich vor allem entlang der Hauptverkehrsrouten ausgebreitet. Also wenn man in Österreichs Autobahnen im Herbst fährt und man sieht so schön blühende Pflanzen am Mittelstreifen, dann ist es mit hoher Wahrscheinlichkeit alles das Schmalblättrige Greiskraut. Also es hat keine hohen Ansprüche an Bodenbedingungen. Also es kann wirklich auf Felsböden oder versiegelten Böden gut wachsen und hält aber auch Frost gut aus und Hitze. Also ein Alleskönner, der uns in Zukunft vielleicht noch ein paar Probleme bereiten wird.
Oe1-Transkript, Mi 14.5.2025, Vom Leben der Natur. Teil 3: Hunde bei der Arbeit.
Oe1: Der Hundetrainer Leopold Slotterbachmeier spricht über das Aufspüren von Giftpflanzen. Heute Hunde bei der Arbeit.
Hundetrainer Slotta-Bachmayr:
Die spannende Geschichte für uns war ja auch mal mit Pflanzen zu arbeiten. Wir haben mit Tieren gearbeitet, wir haben mit Kot gearbeitet, wir haben mit lebenden Tieren gearbeitet. Wir haben gewusst, dass das geht. Wir haben auch gewusst, dass es mit Pflanzen prinzipiell geht, aber wir hatten jetzt keine Erfahrung. Wir haben jetzt auch gar nicht gewusst: wie gut riechen die, wie weit, aus welcher Distanz können sie die Hunde riechen. Wie unterschiedlich sind die Pflanzen. Wir haben mal begonnen mit Materialien, die uns die Silvia (WINTER, Agrarökologin) zur Verfügung gestellt hat, um den Hunden den Geruch zu zeigen. Es gibt dazu technische Lösungen, wie das sogenannte Detection Dog Training System, wo den Hunden automatisiert der Geruch angeboten wird. Und sobald der Hund mit dem Geruch konfrontiert ist, das heißt, er steckt die Nase in einer Öffnung, piepst die Maschine, dann fällt ein Futter heraus und die Hunde kriegen eine Beziehung zu diesem Geruch. Und dann hat uns interessiert, wie gut können die Hunde den Geruch überhaupt erkennen oder unterscheiden. Das heißt, wir haben den Hunden nicht nur die Greiskräuter gezeigt, sondern andere Gewürze auch, die ganz normal auf den Feldern vorkommen. Ob das jetzt Oregano, Thymian, Kümmel, Pfefferminz, Zitronenmelisse ist, völlig egal. Und wir waren gleich mal sehr überrascht, dass die Hunde die Greiskräuter einwandfrei auseinander kennen. Das andere ist, dass Hunde extrem gut Muster unterscheiden können. Wir wissen ja, dass Hunde Menschen individuell unterscheiden können. Die können sich ja Tiere und Pflanzen individuell unterscheiden. Das heißt, wir haben ihnen mal eine bestimmte Pflanze angeboten, haben geschaut, wie gut kennen sie die Pflanze und wie lange brauchen sie, bis sie von derselben Art unterschiedliche Individuen erkennen. Das ist relativ schnell gegangen. Nach zehn Wiederholungen haben die [Hunde] gesagt, okay, das ist das Frühlingskreiskraut, das kennen wir. Und dann hat uns noch interessiert, wir arbeiten ja mit drei verschiedenen Greiskrautarten, wie schnell lernen die diese drei Arten. Und das ist dann nochmal schneller gegangen. Das heißt, nach fünf Mal [riechen] haben die sowohl das Gemeine Greiskraut wie auch das Frühlingsgreiskraut und das Schmalblättrige Greiskraut erkannt, am Geruch erkannt. Die Hundeführerinnen waren in der Zwischenzeit auch so gut trainiert, dass sie das [Greiskraut] auch im Freiland erkannt haben. Und das große Erlebnis war, Greiskräuter gibt es ja überall. Also von daher hatten wir auch kein Problem, Trainingsmaterial zu kriegen.
Nachdem das in einer Labor-Situationfunktioniert hat, sind wir hinausgegangen und haben einfach Greiskräuter ausgelegt und sind mit den Hunden suchen gegangen und waren dann auch sehr überrascht, dass die Hunde aus größerer Distanz, das heißt auf 15 Meter, diese Greiskräuter ohne Probleme finden. Das heißt, wir haben dann im Freiland gearbeitet, haben das trainiert, haben einer sogenannten Anzeige beigebracht. Das heißt, die Hunde stehen entweder da vorne und schauen das Greiskraut an oder legen sich dort nieder und finden es entsprechend. Dann haben wir begonnen zu überlegen, wie können wir auf den Feldern danach suchen. Das heißt, wir haben überlegt, welches Suchmuster gehe ich, wie muss ich den Wind berücksichtigen, wie muss ich den Hund einsetzen, um möglichst effizient auch zu arbeiten. Und da sind wir jetzt gerade dabei, dass wir sozusagen jetzt in den Feldern draußen sind, um in der Realität zu suchen, um zu schauen, wie viel finden wir, wie schnell sind wir und wie oft müssen wir gehen, um dann am Ende ein Feld so weit greiskrautfrei zu machen, dass der Landwirt dann auch entsprechend ernten kann und keine Nachteile dadurch hat, dass die Greiskräuter da drinnen sind.
Das ist der Sarek. Der Sarek ist ein Australian Kelpie, ist eigentlich ein australischer Hütehund, aber er ist ein echter Schwede, er kommt aus Schweden, ist dort geboren und ich habe ihn mit einem Jahr nach Österreich geholt, um mit ihm atmenspürhundmäßig zu trainieren. Sarek, schau mal her. Go Search! Gut, super ist er. Bei mir heißt das Kommando: Go Search! Nachdem ich verschiedene Arten habe, um zu suchen, gibt es sozusagen für jede Suchart ein eigenes Kommando. Darum greife ich auf Englisch zurück. Abgesehen davon, dass er Schwede ist, ist er international aufgewachsen, von daher geht das entsprechend auch. Und es gibt auch Kommandos und die Hunde sind so trainiert, dass sie so motiviert sind, dass sie eigentlich mit einem Kommando eine Dreiviertelstunde auch wirklich arbeiten. Und dann, wenn sie was finden, wird sozusagen diese Pflanze eingesammelt, entsprechend dokumentiert und dann geht es weiter. Und so geht es dahin, bis wir sozusagen mit unserem Feld fertig sind.
OE1: Morgen um 5 vor 9: Perfekte Spürnasen.
Oe1-Transkript, Do 15.5.2025, Vom Leben der Natur. Teil 4: Heute perfekte Nasen.
OE1: Schnüffelnde Pflanzenjäger. Die Agrarökologin Silvia Winter und der Hundetrainer Leopold Slotterbachmeier erzählen, wie Hunde Giftpflanzen in landwirtschaftlichen Kulturen aufspüren. Heute perfekte Nasen.
Agrarökologin Silvia Winter:
Die Pflanzen riechen teilweise relativ intensiv, vor allem wenn sie dann blühen. Das war auch so ein bisschen der Start von der Idee für das Projekt. Man hat gesagt, wie kann man diesen intensiven Geruch eigentlich nutzen auf den Feldern, um die aufzuspüren. Und wir Menschen sind da leider nicht so gut geeignet, aber es gibt ja Hunde, die wirklich extrem gute Nase haben und die wenigsten Geruchsmoleküle pro Kubikmeter Luft, ich glaube ein Trillionsten von einem Teilchen, noch erkennen können. Und das war so die Idee, dass man das macht und auch analysiert.
Einerseits die Spürhunde zu trainieren auf die Pflanzen und andererseits im Labor die Pflanzen zu nehmen oder auch getrocknete Pflanzen und die in Röhrchen geben. Und dann schauen, welche flüchtigen organischen Stoffe werden da frei von diesem Pflanzenmaterial, von den Blättern und von den Blüten. Was sind das für Stoffe? Welche Konzentrationen kommen die vor in den unterschiedlichen Arten? Verändert sich vielleicht auch diese Konzentration über den Jahresverlauf? Und was wäre eher eine Pflanze, die man schwerer erkennen kann aus Sicht der Hunde? Oder welche sind besonders gut, um sie wirklich auch anhand von dem Geruchsprofil zu identifizieren?
Hundetrainer Slotta-Bachmayr:
Wir haben in dem Zusammenhang auch ein paar Experimente gemacht, weil es uns ja interessiert hat, wie weit wir sozusagen hinuntergehen können, damit die Hunde was finden. Und die Silvia hat uns Samenmischungen zubereitet, wo wir gewusst haben, wie viele Kreisgräuter zum Beispiel in diesen Samen drinnen sind oder auch Kräutermischungen, wo wir gewusst haben, wie viele Greiskrautblätter in diesen Kräutermischungen drinnen sind. Und wir sind auf Konzentrationen von 0,1 Promille, das heißt 1 Zehntausendstel gekommen. Und die Hunde haben noch einwandfrei diese Kräutermischungen erkannt, aber auch diese Samenmischungen erkannt. Was uns natürlich auch die Möglichkeit gäbe, zum Beispiel Saatgut zu kontrollieren oder das fertige Endprodukt letztendlich auch mit den Hunden zu kontrollieren, um zu sagen, da ist jetzt Greiskraut drinnen und ich muss vielleicht noch einmal mit der Chemie nachschauen, wie groß die Konzentrationen jetzt wirklich sind.
Also wir haben im Projekt Hunde gehabt, die hatten schon eine Vorbildung. Das heißt, die wussten schon, was Arbeiten heißt. Die wussten schon, wie sie uns zeigen können, dass sie etwas gefunden haben. Und wir haben uns in der Ausbildung ein bisschen gespielt, um Erfahrungen zu sammeln. Aber letztendlich haben wir zehn Ausbildungstage gehabt und die Hunde haben das gekonnt. Die Hunde haben gleich einmal den ersten Teil einer Zertifizierung hinter sich gebracht, damit wir wirklich Hunde haben, die gleiche Leistung bringen. Und um dann das Ganze gut abzuschließen, müssen die nur einen zweiten Zertifizierungsteil absolvieren, damit man wirklich zeigt, dass die über längere Zeit gut suchen können und auch wirklich finden. Und dann könnten die die theoretisch auch als Dienstleister anbieten. Man könnte theoretisch auch mit Hunden zu den Landwirten gehen und sagen: okay, ihr habts a Feld, ihr habts a Kreisgrautproblematik. Wir suchen euch die und sorgen dafür, dass eure Felder greiskrautfrei bleiben.
Bei den Absuchen in den Feldern hat sich gezeigt, der limitierende Fakt ist sozusagen die Anzahl der Pflanzen. Je mehr Pflanzen wir haben, umso länger brauchen wir, weil wir müssen ausreißen und dokumentieren. Sonst sind wir in einer Stunde auf einem Hektar fertig. Und da sind wir wieder eigentlich schon fast bei einem Faktor von 1 zu 100. Lass uns 1 zu 10 sein, dann sind wir nicht übermütig und dann passt das auch.
Hundetrainer Slotta-Bachmayr:
Mit dem haben wir wirklich den Faktor 10, die die Hunde schneller sind. Dann zahlt sich das für den Landwirt auch aus, weil er muss ja die Arbeiter auch zahlen, die über das Feld drüber gehen. Oder er machts selber in seiner eigenen Arbeitszeit, wenn man wirklich so viel schneller ist, wenn man mehrere Flächen beieinander hat, die dann an einem Tag abgesucht werden können, bevor es beerntet wird. Oder, halt einfach im Frühling, muss man darauf achten, dass man die Pflanzen nach Möglichkeit entfernt, bevor sie halt blühen und Samen ausbilden. Weil sonst potenziere ich das ganze Problem natürlich. Und wir haben auch gesehen jetzt bei manchen Flächen, dass es genau gleich bewirtschaftet wird. Eine Teilfläche war wirklich viel mehr verunkrautet, als die andere. Weil halt irgendwann mal vor vielen Jahren, mal irgendwann ein Bewirtschaftungsfehler war. Weil die Samen halt im Boden drin sind. Und die kommen halt einfach auf und können jetzt sehr lange im Boden überleben. Und sobald die Bedingungen gut sind, dann wachsen die. Hieiß nicht, dass die Hunde nicht zehnmal teurer sind wie der Mensch. Ja, genau.
OE1: Morgen um 5 vor 9: Gefährliches Beikraut.
Oe1-Transkript, Fr 16.5.25 8h55, Vom Leben der Natur. Gefährliches Beikraut.
OE1: Schnüffelnde Pflanzenjäger. Die Agrarökologin Silvia Winter und der Hundetrainer Leopold Slotterbachmeier erzählen, wie Hunde Giftpflanzen in landwirtschaftlichen Kulturen aufspüren. Heute gefährliches Beikraut.
Agrarökologin Winter:
Weltweit gesehen gibt es ungefähr 6000 Pflanzen, die Pyrolizidin-Alkaloide enthalten, also kurz PAs genannt. Und die sind eben leberschädigend und können halt auch Leberkrebs auslösen, wenn man sie in hohen Mengen über lange Zeit hin aufnimmt. Also die EU-Grenzwerte orientieren sich natürlich daran, dass man halt die Konsumentensicherheit sehr hoch angesetzt hat. Also, es gibt in Amerika zum Beispiel nicht diese Grenzwerte, die so niedrig liegen. Selbst wenn diese Pyrolizidin-Alkaloide in den Produkten nachgewiesen werden, dann sind sie meistens unterhalb von dem Grenzwert. Das heißt, es besteht keine unmittelbare Gesundheitsgefahr. Man muss sich keine Sorgen machen. Und dieser Wert wird auch unterschiedlich angesetzt. Also er ist sehr, sehr niedrig, zum Beispiel bei Säuglings- oder Baby-Tee. Bei Gewürzen ist er entsprechend höher, weil man ja auch nicht kiloweise Gewürze konsumiert. Also es hängt davon ab, wie viel nimmt ein durchschnittlicher Mensch pro Tag von diesem Produkt auch auf. Also man muss sich keine Sorgen machen, selbst wenn es belastete Produkte wären. Das Problem bei diesen Pyrolizidin-Alkaloiden ist aber, dass sie akkumulieren – in der Leber. Das heißt, wenn ich ein gewisses Produkt hätte, das sehr hoch belastet wäre, bei Rooibos-Tee zum Beispiel aus Südafrika, hat man öfters höhere Werte. Und ich würde literweise Rooibos-Tee trinken, jeden Tag, wochenlang. Und der wäre belastet, dann könnte ich halt über Jahre dann einen Leberschaden oder in ganz langer Hinsicht vielleicht sogar Leberkrebs entwickeln. In einem Kümmelfeld ist es an sich nicht so ein großes Problem, weil der Kümmel ja gedroschen wird. Größere Probleme haben wir bei den Minzen, bei Thymian, Oregano, Zitronenmelisse, die praktisch abgemäht werden. Also die Landwirte sind da schon sehr vorsichtig und entfernen die Unkräuter. Aber man kann halt einzelne Pflanzen auch mal übersehen. Und gerade beim Schmalblättrigen Greiskraut wäre das halt sehr schlecht, weil es viel giftiger ist wie das heimische, das Gewöhnliche Greiskraut. Also man schätzt 7 bis 10mal so hohe Giftstoffwerte wie das Gewöhnliche Greiskraut. Das tritt vor allem halt so auf gestörten Flächen auf. Es, [das Schmalblättrigen Greiskraut] wandert aber auch ins Grünland ein, also in Wiesen und Weiden. In Südtirol gibt es schon große Probleme, auch auf den Almen. Also es kann auch sehr hoch hinaufsteigen. Und es ist ja nicht nur für uns Menschen giftig, sondern für alle Säugetiere. Das heißt auch für die Nutztiere, die das jetzt mitfressen würde, auf der Alm oder im Futter, wäre das ein großes Problem. Und das ist jetzt noch nicht so akut, aber es ist eine Frage vielleicht auch vom Klimawandel, ob das in Zukunft häufiger wird. Es gibt dazu jetzt noch nicht so belastbare Monitoring-Daten, aber man kann sich es vorstellen, dass es zukünftig auch bei uns im Grünland ein größeres Problem gibt. Sowohl im Bio- als auch im konventionellen Anbau. Das Problem ist auch im konventionellen Anbau, selbst wenn die Herbizide verwenden dürften, gibt es keine so spezifischen Herbizide gegen die Greiskräuter. Und wenn die Kultur schon steht, können sie auch nicht mehr spritzen. Also es betrifft sowohl Bio- als auch konventionelle Flächen. Und es gibt da vor allem bei gelbblühenden Arten auch ein Problem, also Herausforderungen. Gerade in Kamille, also ich bin auch in einem internationalen Projekt drin, wo mir eine polnische Kollegin auch gesagt hat, dass viele Bauern da den Kamillenanbau aufgegeben haben, weil eben das Greiskraut so viel gefunden worden ist und das einfach dann einfach keine Korrelation ist. Wenn ich so viel Aufwand habe, händisch durchzugehen und ich dann zu niedrigen Preis kriege, dann zahlt sich das für den Landwirt nicht mehr aus, das anzubauen. Und die hören dann einfach auf damit und bauen halt einfach etwas anderes an.
Das Problem ist, dass diese neuen Grenzwerte, die wirklich viel mehr Aufwand bedeuten für die Landwirte, nicht abgegolten werden im Preis des Produktes.
Hundetrainer Slotta-Bachmayr:
Also man weiß, Hunde sind zehnmal schneller, zehnmal genauer als der Mensch. Und damit haben wir ein ökonomisches Argument, um die Hunde einzusetzen. Das macht es einfach billiger. Das Positive für uns dabei ist, dass die Kreisgräuter zwar giftig sind, aber nicht so giftig, dass wenn der Hund daran schnuppert, dass er tot umfällt. Es geht um diese Ansammlung, die Speicherung dieser PAs. Von daher können wir mit den Hunden arbeiten, ohne dass wir die Hunde gefährden.
Quelleninfos:
ORF-Text zu Ö1 Sendung: Schnüffelnde Pflanzenjäger, Mo-Fr, 12-16.5.2025 8h55, Teil 1-5
Die Agrarökologin Silvia Winter und der Hundetrainer Leopold Slotta-Bachmayr erzählen wie Hunde Giftpflanzen in landwirtschaftlichen Kulturen aufspüren.
Montag: Die verborgene Gefahr auf Feldern.
Im Projekt „Giftpflanzen-Spürnasen“ der Universität für Bodenkultur Wien werden Hunde darauf trainiert, giftige Pflanzen in landwirtschaftlichen Kräuter- und Gewürzfeldern zu identifizieren. Die speziell ausgebildeten Hunde sollen Giftpflanzen schnell und zuverlässig aufspüren, die toxische Pyrrolizidinalkaloide (PAs) enthalten. Gewisse pflanzliche Pyrrolizidinalkaloide sind schädlich für Mensch und Tier. Sie wirken aber erst gesundheitsschädlich beim Überschreiten gewisser geringer Aufnahme-Mengen. Aufgrund strenger Grenzwerte in Europa ist die Erkennung solcher Pflanzen wichtig.
In Österreich gibt es sowohl heimische PA-Giftpflanzen wie das Gemeine Greiskraut als auch invasive Arten wie das Frühlings-Greiskraut und das Schmalblättrige Greiskraut, die aus Osteuropa bzw. Südafrika eingeschleppt wurden. Diese Giftpflanzen breiten sich vermutlich durch den Klimawandel zunehmend in Ackerkulturen aus. Sie gefährden damit die Nahrungsmittelsicherheit.
Im Rahmen des Projekts werden erfahrene Suchhunde des Vereins Naturschutzhunde mit frischem und getrocknetem Pflanzenmaterial in verschiedenen Entwicklungsstadien auf diese Giftpflanzen trainiert. Der Einsatz von Spürhunden ist ein Ansatz, um Giftpflanzen frühzeitig zu erkennen, da Hunde auch junge, nicht blühende Pflanzen identifizieren können, die für Menschen schwer zu entdecken sind. Dies kann den Arbeitsaufwand und die Nahrungsmittelsicherheit in der Landwirtschaft verbessern.
Service
Gesprächspartner:
DIin Dr.in Silvia Winter, Institut für Pflanzenschutz, Universität für Bodenkultur in Wien
https://boku.ac.at/personen/person/E95017EBFBC3AE2D
Dr. Leopold Slotta-Bachmayr, Biologe und Hundetrainer
https://www.naturschutzhunde.at/
ORF Gestaltung: Juliane Nagiller
Zusammenstellung: DI Johann HUMER, 16. Mai 2025
Wenn ich mehr Zeit habe, werde ich hier noch auch meine Meinung als agrarpraktischen und wissenschaftskritischen Kommentar zu diesem Thema folgen lassen …
