Klappertopf vergiftet Pferd (Anfrage)

Am 25. August 2021 erhielt ich folgende typische Grünland Anfrage mit Klappertopf-Vergiftung. Offensichtlich nehmen die Vergiftungfälle mit Klappertopf in der letzten Jahren zu, wie diese neuerliche Anfrage zeigt:

Sehr geehrter Herr Humer,

ich wende mich an Sie, weil ich Ihre Ausführungen auf der Webseite mit großem Interesse gelesen habe.Unsere Jungstute war auf dem Hof einer Tierärztin (ihr Mann ist Landwirt und betreibt seit vielen Jahren einen Pferdehof mit Offenstallhaltung im Gebiet südlicher Wienerwald) zur Aufzucht eingestellt und alles schien absolut perfekt. Solange, bis im Frühjahr der Weidegang begann. Das Pferd bekam nach wenigen Wochen eine plötzliche Kolik, wurde notoperiert (mit sehr hohen Kosten) und musste schließlich eingeschläfert werden. Diagnose: Darmentzündung, dadurch Aufgasung mit Dickdarmdrehung, Euthanasie.Vorerst war die Ursache völlig unklar, jedoch ließ mich der plötzliche Tod unserer Stute nicht ruhig schlafen – sie war bis dahin ein sehr kräftiges und absolut gesundes Pferd, die Leitstute der kleinen Herde dort und unser geliebtes Herzenspferd.
Es hat mir keine Ruhe gelassen und ich habe nach der Ursache gesucht. Besonders aufgefallen sind mir die vielen gelben Pflanzen vor Ort, und ich habe recherchiert. Im Vergleich mit den uns verbliebenen Fotos habe ich nun festgestellt, dass die Weide, auf denen die Pferde gehalten wurden, mit Giftpflanzen übersät ist! Neben der sehr giftigen Herbstzeitlosen, die ich dort vereinzelt gesehen habe, und auf die ich den Stallbesitzer besorgt angesprochen hatte – er meinte, die würden frisch eh nicht gefressen – wächst auf dieser Wiese Hahnenfuß, aber auch der Klappertopf. Die Pflanze war bei mir bisher nicht als giftig für Pferde am Radar (wir halten seit  über 30 Jahren privat einige Pferde und ich mache mir schwere Vorwürfe, dass ich unser Pferd nicht sofort weggebracht habe, schon bei der ersten Herbstzeitlosen hätte ich das tun sollen).
Der Klappertopf wird zwar nur als leicht giftig eingestuft, und unsere Jungstute ist die einzige, die eingegangen ist. Nur eine Quelle beschreibt die Wirkung des Giftes Rhinanthin (Aucubin) als auf die Schleimhäute des Magen-Darmtraktes reizend https://www.vetpharm.uzh.ch/giftdb/pflanzen/0145_tox.htm
Ansonsten finde ich nur die Angaben „Erbrechen und Krämpfe. Wegen des Glycosid-Gehaltes Ursache von blutigem Durchfall und Nierenentzündung“.
Es besteht aber meiner Ansicht nach allergrößte Wahrscheinlichkeit, dass das Pferd aufgrund der wirklich sehr großen Menge dieser Pflanze (siehe Fotos anbei) Darmentzündung bekam und daran elendiglich einging. Eine akute Vergiftung, auf die ich die behandelnde Tierärztin in der Klinik hingewiesen habe, wurde offenbar nicht festgestellt, jedenfalls wurde das Pferd nicht daraufhin behandelt, sondern auf die Kolik. Auf den Fotos sieht man die stehengebliebene Herbstzeitlose, aber der Klappertopf ist weggefressen…

Würden Sie meine Vermutung aus Ihrer Sicht bestätigen?
Im Anhang finden Sie die Fotos, auf denen man genau sieht, dass die Wiese praktisch nur mehr aus Giftpflanzen besteht…
Ich würde Sie sehr um Ihre Einschätzung bitten, sowie Erfahrungsaustausch bzw. auch mit weiterführenden Links und Literaturempfehlungen. Mir geht es vor allem darum, zu belegen, dass das keine Kleinigkeit ist, sondern ein gefährlicher Giftcocktail, auf dem hier Pferde in trügerischer Idylle weiden, um weiteren Schaden zu verhindern und den Stallbesitzer zu überzeugen.

Vielen herzlichen Dank im Vorhinein, N.N

PLZ 2491, Leitha/Gebirge

Offensichtlich starker Besatz an giftigem Klappertopf in dieser vermutlich in seit Jahren nicht mehr gedüngten Futterwiese

Dieses Bild hat ein leeres alt-Attribut; sein Dateiname ist img-20210605-wa00011279532660698285702.jpg.
Pferde weiden in fast reinem Klappertopf-Bestand einer Wiese in der Nähe des Leithagebirges (Burgenland, Ostösterreich)

Beratungsauskünfte:

Dynamische Gräserwahl zur Wiesenverbesserung – Futterwiesenexperte HUMER

Meine ausführlichen Klappertopf Informationen aus Erfahrungsberichten, Fachliteratur und Web. Zusammengestellt von HUMER unter:

https://futterwiesenexpertehumer.blogspot.com/2018/06/klappertopf-informationen.html

Klappertopf: „Milchdieb“-Pflanze breitet sich vermehrt im Berggebiet aus (Beitrag der LK Tirol, 04.06.2019 | von Lukas Peer ) unter:
https://tirol.lko.at/klappertopf-milchdieb-pflanze-breitet-sich-vermehrt-im-berggebiet-aus+2500+2941186

Achtung: LK-Fachbeiträge sind meist zeitlich begrenzt auf der LK-Webseite, daher rechtzeitig lesen! Deshalb habe ich ja eine eigene Webseite gegründet, um meine eigenen Fachbeiträge dauerhaft verfügbar zu halten. Offenbar halten die Medienabteilungen der LK ihre Fachbeiträge nicht so wertvoll und bedeutend, um sie möglichst lang Bauern zur Verfügung zu stellen.

Weitere 14 gesammelte Klappertopf-Infos unter:
https://www.evernote.com/pub/jhumer/klappertopf#st=p&n=2de04f06-b3f9-4afa-a4c1-be36fa311788

Meine Meinung:
Die immer mehr Biodiversität fordern und vorschreiben, müssen heute auch bedenken, dass solche Wiesen immer mehr unbrauchbar werden; selbst wie hier für eine extensive Pferdeweide. Letztlich führt die Ausbreitung unbrauchbarer Futterwiesen zu einem zunehmenden Verlust des unseres Kulturlandes. Es ist dann nur mehr eine Frage, wenn die Flächen statt Biodiversität ein Gestrüpp aus Gesträuch und aufkommenden Wald werden. Dann ist erst die durch Landwirte geschaffene enorme Biodiversität auf Grünland bald dahin.

In der Schweiz braucht es nun bereits eine Klappertopf-Bekämpfung in Biodiversitätswiesen. Nachlesbar in folgenden Beiträgen in diesen Links: https://www.zbv.ch/uploads/1/2/0/2/120245015/fachteil_vom_21.04.2017.pdf

https://www.sg.ch/umwelt-natur/natur-landschaft/ausnahmebewilligungen/_jcr_content/Par/sgch_downloadlist/DownloadListPar/sgch_download.ocFile/Merkblatt%20Klappertopf%202021.pdf


Erstellt: 8.9.2021

1 Kommentar zu „Klappertopf vergiftet Pferd (Anfrage)

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